Original paper

Zur Geologie von Chile und Nicaragua

Engels, Bruno

Kurzfassung

Zunächst wurde ein großräumiger Überblick über die problemreichen Zusammenhänge zwischen Süd- und Mittelamerika bzw. über das Verhalten und die möglichen Fortsetzungen alter Massive sowie der Gondwaniden- und Andenanteile gegeben. Chile ist bekanntlich auf seiner ganzen Länge vom 56. bis 18. südl. Breitegrad (4360 km) ein Land der Anden. Die einzelnen Teile dieses so einheitlich erscheinenden Gebirgslandes haben sich Jedoch erdgeschichtlich und strukturgeologisch offenbar recht verschieden entwickelt. Bei den Antarktanden verdient vor allem die Magallanes-Geosynklinale besondere Erwähnung. Sie besitzt heute als erdölhöffiges Gebiet eine große wirtschaftliche Bedeutung für Chile. An Hand eines Querprofils konnte der neueste Stand der geologischen Untersuchungen und Anschauungen dargelegt werden, z. T. ergänzt durch eigene tektonische und sedimentologische Beobachtungen. Am Beispiel des Nahuel-Huapi-Massivs wurde die Problematik um die Einheitlichkeit der Anden, um frühere (gondwanidische) und jüngere (tertiäre) Ozean Verbindungen zwischen Atlantik und Pazifik sowie um die strukturgeologische Fortsetzung nach W über den gegenwärtigen Kontinentalrand hinaus (Juan-Fernandez-Land) aufgezeigt. Auch die Zentralanden erweisen sich geologisch mehr und mehr als ein recht uneinheitliches Gebilde. Vulkanische Ablagerungen und Intrusionen überwiegen. Sie scheinen die einzelnen Teile zu verschweißen und zu versteifen, so daß die jungen En-bloc-Hebungen schließlich zu einem einheitlich in Erscheinung tretenden Gebirgszug führen. Jeweils benachbarte Küsten- und Hochkordilleren - getrennt durch sog. Längstäler, aber immer wieder verbunden durch Gebirgsbrücken - stehen sich geologisch oft näher als ihre morphologischen Fortsetzungen im Streichen. Im Verlauf dieser Darlegungen wurde auch auf die Geologie der bedeutendsten nordchilenischen bzw. zentralandinen Lagerstätten eingegangen, z. B. auf die berühmten Kupfererzlagerstätten von Chuquicamata, El Salvador, El Teniente usw., auf die beträchtlichen Eisen- und Manganerzlagerstätten, auf die Salpetervorkommen der Atacama usw. Ferner wurden eigenartige aktuogeologische Phänomene mitgeteilt, z. B. glazial- und vulkanologischer Natur, Erdbebenwirkungen, Wüstenbildungen und verschiedene Spuren bzw. Marken, hervorgerufen durch den primitiven Krebs Emerita analoga (pulga del mar = Meeresfloh).