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Zur Petrographie des Hamburger Tones (mittleres Miozän)

Hallik, R.

Kurzfassung

Das Miozän im Hamburger Raum stellt bekanntlich - faziell gesehen - eine besondere Entwicklung dar. Die jüngste Zusammenfassung darüber nebst kritischen Bemerkungen zur Gliederung des Jungtertiärs wurde von LÖHNERT (1962) veröffentlicht. Der "Hamburger Ton" (unteres Mittelmiozän) wurde hinsichtlich seiner Genese näher untersucht. Nach KOCH handelt es sich hierbei um eine marine Einschaltung innerhalb der terrestrischen Braunkohlensande. Diese zeichnet sich durch absolute Sterilität hinsichtlich Fossilien aus. Erst eine mikroskopische Untersuchung der letzten Jahre rührte zur Kenntnis des z.T. reichlichen Vorkommens von Sporomorphen (Pollen und Sporen). Nach einer spezifischen Untersuchung (1963/64), die durch den Direktor des Geologischen Landesamtes Hamburg, Dr. NIEDERMAYER, angeregt wurde, fanden sich schließlich in gewissen Horizonten des "Hamburger Tones" auch Diatomeen. Die Untersuchung von 70 Proben aus über das Hamburger Gebiet verstreut gelegenen Bohrungen brachte folgendes Ergebnis: Der "Hamburger Ton" ist im wesentlichen ein dunkelbraun gefärbter schlurfiger Ton bis toniger Schluff. Seltener finden sich Lagen von grauer Färbung. Das gesamte Gestein enthält sehr viel mittels KOH (5%) extrahierbare amorphe Humusstoffe. Nach Behandlung des Rückstandes mit K2CdJ4 (HALLIK 1957) finden sich ausschließlich Sporomorphen. Der hangende Teil des "Hamburger Tones", der von hellgrauer Färbung ist, und bereits äußerlich durch ein wesentlich geringeres Gewicht auffällt, ist ebenfalls noch reich an Humusstoffen. Außerordentlich bezeichnend ist aber der hohe Gehalt an Diatomeenschalen. Diese treten z. T. gesteinsbildend auf. Für diese Varietät des "Hamburger Tones", der (nach einer mündlichen Auskunft von Herrn NIEDERMAYER) eine Mächtigkeit von ca. 2-4 m erreicht, ist die Bezeichnung Diatomeen-Gyttja oder Kieselgur unbedingt zutreffend. Die Diatomeen-Flora setzt sich nur aus planktonischen Formen der Centricae zusammen. Unter diesen sind ausschließlich Formen der Coscinodisci-fasciculati-Gruppe, die mehrere Arten umfassen und Melosirinae, die aller Wahrscheinlichkeit nach nur einem einzigen Melosira sp. angehören.