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Zur Geologie Südost-Afghanistans

Ganss, O.

Kurzfassung

In einleitenden Worten wird der hervorragenden Pioniertätigkeit der Geologen GRIESBACH, VREDENBURG und HAYDEN gedacht, die von 1880 bis zum ersten Weltkrieg unter persönlichem Einsatz wesentliche Erkenntnisse über das geologische Grundgerüst Afghanistans beigebracht haben. Nach dem ersten Weltkrieg setzt, besonders unter dem fortschrittlichen König Amanullah, eine neue Welle geologischer Forschungen ein, wobei Lagerstättenuntersuchungen im Blickfeld des Interesses liegen. Es sei hier besonders auf die Berichte des deutschen Geologen HERBORDT verwiesen. FURON (1927) versuchte erstmals, das Gebiet um die Landeshauptstadt Kabul geologisch differenzierter zu erfassen. Wichtige Ergebnisse einer Reise durch Badakschan sowie eine inhaltsreiche Zusammenfassung der Minerallagerstätten Ost-Afghanistans veröffentlichte BRÜCKL (1935 und 1936). Eine systematische Landesdurchforschung konnte erst nach Vorliegen der von amerikanischen und russischen Gesellschaften erstellten Luftbilder begonnen werden. An Hand dieser Bilder war die flächenmäßige und räumliche Erfassung geologischer Körper möglich. Während russische Geologen bereits die großräumige Bearbeitung des nördlichen Hindukusch-Vorlandes abgeschlossen haben, arbeiten u. a. Geologen der UN sowie die seit 1959 eingesetzte "Deutsche Geologische Mission in Afghanistan" an zahlreichen Fragen der geologischen Landeserschließung. Ref. hat sich besonders mit der Erforschung Südost-Afghanistans, der sog. "Südprovinz", beschäftigt. In dem bis dahin geologisch völlig unbekannten Gebiet von Gardez-Ghazni-Urgun wurden grundlegende Detailuntersuchungen durchgeführt. Erste paläontologische Hinweise waren durch eine Reise von Mdm. de CIZANCOURT gegeben, die im Jahr 1937 einige Nummulitenvorkommen aus dem Raum Gardez-Chost beschrieben hat. fite einschalten. Tief eingefaltete Nummulitenkalke müssen infolge ihrer Klüftigkeit weitverbreiteten Gaseruptionen als Zonen besonderer Wegsamkeit gedient haben. An Zentren besonders heftiger Eruptionen wurde der Nummulitenkalk in großen Schollen emporgerissen und in Tuffsanden eingebettet. Gelegentlich wurden auch Trümmer des tieferen Untergrundes gefördert. Die Bildung der intramontanen Becken geht stellenweise noch in pleistozäner Zeit weiter. Das in über 2500 m Höhe gelegene und mit mächtigen jungen Schottern ausgefüllte Becken von Charwar nordöstlich von Ghazni ist in allerjüngster Zeit in eine Terrassenlandschaft verwandelt worden.