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Zur Stratigraphie der Flugsande im nördlichen Oberrheintalgraben

Becker, E.

Kurzfassung

Zusammenfassung Die quartäre Grabenfüllung des nördlichen Oberrheintales baut sich aus den petrographisch gut unterscheidbaren, fluviatilen Sedimenten von Rhein, Main und Neckar auf. An der Oberfläche dieser fluviatilen Ablagerungen kam es im Jungpleistozän und Holozän zur Bildung von Flugsanddecken unterschiedlicher Mächtigkeit und Ausdehnung; auf größeren Flächen wurden die Flugsande zu Dünen unregelmäßiger Form und Anordnung aufgeweht. Die unterschiedliche petrographische Ausbildung dieser Flugsande machte die Abgrenzung von zwei größeren Flugsand-Faziesräumen notwendig: 1. Das Maingebiet mit seinen mittel- bis grobkörnigen und meist kalkfreien Flugsanden. 2. Die Bergsträsser Flugsandvorkommen, in denen feinkörnige, kalkhaltige äolische Sedimente überwiegen. Die vollständigste Profilentwicklung war im Maingebiet zu beobachten. In diesem Raum überlagern die äolischen Deckschichten auf großen Flächen die Reste eines letztinterglazialen Bodens an der Oberfläche der alt- bis mittelpleistozänen Kelsterbacher Terrasse. Aus dem Profilaufbau der Dünen im Maingebiet läßt sich folgender Geschehnisablauf rekonstruieren: Auf den der fluviatilen Akkumulation entzogenen, älteren Terrassenflächen überwogen im Frühwürm intensive Abtragungs- und Verlagerungsvorgänge. Am Ende dieses Zeitabschnittes erfolgte im Liegenden der Dünen die Bildung einer lehmstreifigen Basiswechselfolge. Über den durch einen schwer einstufbaren, geringmächtigen Kryoturbationshorizont nach oben begrenzten Basisschichten folgt die Hauptmasse der meist mehrere Meter mächtigen, eigentlichen Dünensande. Diese im tieferen Teil stellenweise durch einen schwach ausgeprägten Naßfleckenhorizont gegliederte Flugsandabfolge dürfte stratigraphisch den im Hochglazial gebildeten mächtigen jüngsten Lößdecken entsprechen. Die unter den besonderen Klimabedingungen des Spätglazials auf diesen Dünensanden einsetzende Bodenentwicklung führte bis zum Alleröd-Interstadial bereits zur Bildung von Sandparabraunerden. Durch die Einlagerung einer im Mittel-Alleröd (Laachersee Ausbruch) gebildeten Bims-Tuffschicht im Hangenden der Bänderflugsande ist eine absolute Zeitmarke gegeben. Die Verwitterung der mit Flugsand vermischten Bims-Tuffe begann vermutlich bereits noch während des Alleröd-Interstadials. Aus den während des Kälterückschlages in der Jüngeren Tundrenzeit gebildeten Flugsanden entstanden unter dem Einfluß des postglazialen Klimaoptimums tiefgründige Braunerden, stratigraphisch vergleichbar den Steppenböden aus Löß im benachbarten Rheinhessen sowie den Lockerbraunerden der hessischen Mittelgebirge. Diese Bodenentwicklung wurde, wie durch paläolithische Funde und die C14-Bestimmung an Holzkohlen aus einer Brandschicht nachgewiesen werden konnte, im 6.-7. Jahrhundert n. Chr. durch eine letztmalige stärkere Flugsandaufwehung beendet. Die jüngsten Flugsande sind auf den Dünen meist nur schwach verwittert. Die Dünen der Bergsträsser und Lorsch-Viernheimer Flugsandvorkommen zeigen einen gegenüber dem Maingebiet etwas abweichenden Profilaufbau. Über einem nicht weiter untergliederbaren, durch lokal fazielle Bedingungen geprägten, basalen Schichtkomplex folgen kalkhaltige, feinkörnige, vermutlich hochglaziale Flugsande. An einer unregelmäßig welligen Karbonatauflösungsfront kam es - zuweilen bereits im Spätglazial - zu einer deutlichen Ton- und Eisenanreicherung in Form von Zapfen und Taschen. Dieser Tonanreicherungshorizont bildet zusammen mit den überlagernden, teilweise gebänderten Flugsanden wahrscheinlich einen stratigraphisch einheitlichen, den Bänderflugsanden des Maingebietes vergleichbaren Schichtkomplex. Eine nur an wenigen Stellen beobachtete Bänderbraunerde im Hangenden dieser Schichtfolge dürfte den postglazialen Braunerden des Maingebietes entsprechen.