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Zur Frage der Einwirkung des Pleistozäns auf den Buntsandstein in Odenwald und Spessart

Backhaus, Egon

Kurzfassung

Die moderne Buntsandsteinkartierung beruht zu einem guten Teil auf dem Erkennen unterschiedlich morphologischer Formen, die in Abhängigkeit von der Lithologie herausgebildet wurden. Die Vorgänge der Erosion und Denudation, wie sie im jüngsten Tertiär einsetzten und bis in die Gegenwart anhalten, sind für die Ausgestaltung des Reliefs in unserem Gebiet vor allem während des Pleistozäns von entscheidender Bedeutung gewesen. Die pleistozänen Vorgänge schufen im wesentlichen die Möglichkeiten zur heutigen Oberflächenkartierung der Buntsandsteinareale. Neben der morphologischen Wertigkeit des Gesteins sind für die Ausbildung des kartierbaren Hangprofils z. B. die Schichtenneigung, der Schnittwinkel zwischen Schicht und Hang und vor allem die Exposition des Hanges entscheidend. So lassen die meisten im Streichen der Schichten angelegten Main- und Neckartributäre wegen des nach SE gerichteten generellen Schichteneinfallens an den Osthängen stärkere Denudationen als auf der gegenüberliegenden Westseite erkennen, weil die Erosionswirkung der Ablaufquellen stärker war als die der Überlaufquellen. Verstärkend kommt hier hinzu, daß an den nach SE über S bis SW exponierten Hängen die stärkere Insolation, sowohl im Tages- wie Jahresrhythmus, zu einem großen Schuttanfall und gleichfalls zur größeren Ausräumung führte. Der an den südexponierten Hängen nicht aufgetaute Untergrund konnte dabei als Gleitbahn für die aufgetauten Zonen dienen. An den nordexponierten Hängen war die Insolation gering; der wenig anfallende Schutt wurde kaum abtransportiert. Die Böschungen sind steil und ertrinken teilweise im Schutt (im Maintal südexpon. Hänge heute Weinbau, nordexpon. Wald). Besonders kraß wird die Rolle der Hangexposition bei einem Vergleich mit dem tributären Erftal, das dem Schichteneinfallen entgegen entwässert. Diese geomorphologischen Grundregeln können u. a. durch Tektonik, besondere petrographische Eigenschaften usw. abgewandelt werden. Zu den Sonderfällen gehören die besonders kartiergünstigen Riedel (Staufenberger Eie, Reinhardswald); sie lassen aber in den meisten Fällen das sorgfältige Auskartieren der morphologischen Geländeknicke und -kanten nur jederseits auf einige Zehner von Metern zu. Die morphologischen Kleinformen hängen an solcherart herausgebildeten Bergnasen häufig wieder von der Exposition des Hanges ab.

Keywords

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