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Beobachtungen zur Gliederung pleistozäner Sedimente im Raum Flörsheim-Kriftel-Kelsterbach

Semmel, A.

Kurzfassung

Im Rahmen bodenkundlicher und quartärgeologischer Arbeiten auf dem Blatt Hochheim der Topographischen Karte 1:25 000 bot sich während des Sommers 1963 Gelegenheit, die zahlreichen Aufschlüsse in den Mainterrassen des Raumes Flörsheim-Kriftel-Kelsterbach zu untersuchen. Dabei ergab sich, daß der Aufbau der einzelnen Terrassen in einigen Fällen wesentlich differenzierter ist, als bisher - wohl infolge der in früheren Zeiten weniger guten Aufschlußverhältnisse - angenommen wurde (vgl. hierzu u. a. LEPPLA und STEUER 1923, GALLADE 1930 und WAGNER 1950). Ein von Diedenberger nach Südosten gelegtes Profil schneidet mindestens neun Schotterköper (Terrassen). Die Terrassenserie beginnt mit einem Schotterkörper, dessen Oberfläche bei 140 m ü. NN liegt (Arbeitszeichnung T3). Ihm folgt die nächsttiefere Terrasse mit einer Oberflächenlage von ± 125 mm ü. NN (T4). Die Schotterkörper beider Terrassen unterscheiden sich petrographisch wenig. Sie sind möglicherweise zur selben Zeit gebildet, später aber tektonisch gestört worden (vgl. hierzu GALLADE, 1930, S. 108). Unter beiden Terrassen, die wenig Maingerölle führen, folgt ein grober, grauer, schlecht sortierter Taunuskies (T2). Dieser fehlt unter der nächstjüngeren Terrasse, deren Oberfläche bei 117-120 m ü. NN liegt und die überwiegend Mainmaterial enthält (T5). Charakteristisch ist hier das Auftreten von zahlreichen großen Buntsandstein-Driftblöcken, die wohl als Hinweis auf eine periglazialbeeinflußte Sedimentation gedeutet werden können. Das Liegende des Kieses bildet im südlichen Teil der Terrasse ein weißer, gut sortierter kiesiger Sand (T1) mit großem Quarz- und Quarzitgehalt und geringem Buntsandsteinanteil. Lydite fehlen. Unter diesem weißen Kies und im nördlichen Teil der Terrasse T5 direkt unter dieser liegt ein weißer Quarzkies, der mit Lagen von gelbem Ton wechselt und als pliozän anzusehen ist. In der Kiesgrube südwestlich der Abfahrt Weilbach am Rhein-Main-Schnellweg sind Schollen des gelben Tones kryoturbat mehrere Meter in den hangenden Kies aufgepreßt. Die Terrasse T5 wird von einem Schotterkörper (T6) angeschnitten, der sich mit seiner hellen rötlichen Farbe gut von dem rostbraunen T5-Kies abhebt (105 m ü. NN). Im Gegensatz zu dem 8-10 m mächtigen T5-Schotterkörper ist der T6-Kies nur ± 3 m mächtig. Da unter T6 noch Teile von T5 erhalten geblieben sind, liegen an manchen Stellen vier verschiedenaltrige fluviatile Sedimente übereinander: zuunterst der pliozäne, mit Tonlagen wechselnde Quarzkies, darauf der kiesige Sand T1, dann T5 und schließlich T6.