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Über pleistozäne Ablagerungen am Rand des Odenwaldes

Schmitt, Otto

Kurzfassung

Die Bergsträßer Pleistozänterrasse wird mit dem Pleistozän im Untergrund des Darmstädter Schuttkegels verglichen, das eine zeitliche Gliederung erfährt. Beide zeichnen sich durch eine Zweiteilung aus: die zuoberst liegenden Schuttkegelablagerungen der Odenwaldbäche und die darunter anstehenden vorwiegend vom Rhein und Neckar abgelagerten Sande, Kiese und Tone. Bei den Schuttkegelablagerungen der Odenwaldbäche handelt es sich um angeschwemmte, örtlich auch um angewehte Fein- und Mittelsande, denen scharfkantige kristalline Odenwaldgesteinsbrocken, lößartiger Schwemmschluff und echter Löß eingelagert sind. Im Kern des Darmstädter Schuttkegels sind diese Ablagerungen über 50 m mächtig. Im Bereich der Bergsträßer Pleistozänterrasse ist ihre Mächtigkeit geringer. Die Schuttkegelablagerungen der Odenwaldbäche und die vergleichbaren gelben Sande der Bergsträßer Pleistozänterrasse entstanden unter subpolaren, periglazialen Klimaverhältnissen. Ein Dauerfrostboden hatte die Poren der sonst gut wasserdurchlässigen Sande geschlossen, so daß die vom Odenwald kommenden oberirdischen Gewässer nicht - wie es heute auf dem Darmstädter Schuttkegel mit Ausnahme der Modau der Fall ist - restlos zum tiefliegenden Grundwasser versickerten, sondern auf dem Schuttkegel abflossen. Mitgeführter Sand, Kies und Schluff wurde hier abgelagert, der Sand nachträglich auch äolisch umgelagert, wie auch direkte Sand- und Lößaufwehungen aus den westlich angrenzenden Rhein- und Neckarterrassen zum heutigen Aufbau des Schuttkegels beitrugen. Der Ursprung der kalkhaltigen Schuttkegelsande und auch der Schwemmschluffe ist überhaupt in den o.a. vegetationslosen Sand- und Schotterfluren des Rheines und des Neckars zu suchen. Dort abgelagerte Flußsande sowie Sand- und Schluffpartikel (Lößmaterial), die durch Frostabsprengungen an Geröllen entstanden sind, wurden ausgeweht und durch Westwinde bis in die Täler des vorderen Odenwaldes verfrachtet. Vom kristallinen Odenwald aus schwemmten sie die sommerlichen Schneeschmelzwässer gemeinsam mit kristallinem Grus und Gesteinsbrocken wieder in die Oberrheinische Tiefebene zurück, wo die einzelnen Schwemmfächer am Ausgang der Täler so weit ineinander griffen, daß sich ein großer, zusammenhängender Schuttkegel am Odenwaldfuß ausbreitete, der bei Darmstadt über 5 km weit in die Ebene vorstieß, während weiter südlich im Zuge der Bergsträßer Pleistozänterrasse nur ein maximal etwa 500 m breites, allerdings sehr langes Schuttkegelband zur Ausbildung gelangt ist.