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Die Bimseruptionen im Laacher-See-Gebiet, ihre Bedeutung für die Quartärforschung und Bodenkunde im Mainzer Becken und in den südlichen Teilen des Rheinischen Schiefergebirges

Stöhr, Willy Th.

Kurzfassung

Zusammenfassung Es wird über die Verbreitung und den mineralogischen Inhalt des Bimses aus dem Laacher-See-Gebiet berichtet. An Hand von Lackprofilen, Handstücken, Farbdias und Analysentabellen werden in dem Vortrag die rezenten Bodenbildungen auf Bims und seinen Umlagerungsprodukten sowie Ergebnisse von Untersuchungen an fossilen unter Bims begrabenen Böden mitgeteilt. Vor etwa 11 400 Jahren fand der in der Eifel seit der Tertiärzeit immer wieder aufflackernde Vulkanismus mit gewaltigen, weithin wirkenden Eruptionen im Neuwieder Becken, und zwar im Bereich des Laacher Sees, seinen Abschluß. Vor allem die als trachytischer, weißer Bims- (Schaumlava) und grauer Aschentuff geförderten Komponenten erfuhren eine weite Verbreitung, so daß sie in Mooren weit außerhalb der Ausbruchstellen in Süd- und Mitteldeutschland nachgewiesen werden konnten. Mit Hilfe der C14-Methode und des Pollendiagramms war es möglich, als Zeitpunkt der Eruptionen die 1. postglaziale Wärmezeit, das mittlere Alleröd, zu ermitteln. Viele Forscher haben sich mit diesem vulkanischen Ereignis befaßt. Es fehlte auch nicht an unterschiedlichen Auffassungen über die Herkunft und den Zeitpunkt der Bildung dieser "Ablagerungen" (Kontroverse ANGELBIS, VON DECHEN und SANDBERGER usw.). Wichtige Literaturhinweise dazu finden sich bei J. FRECHEN (1953), Seite 74 und 75. Der Vulkanismus ist eng an die Tektonik gebunden. Leider sind im Neuwieder Becken die tektonischen Leitlinien nach W. AHRENS (1950) nur schwer zu verfolgen, weil sie unter mächtigen Bimslagen verdeckt sind. J. FRECHEN (1953) weist darauf hin, daß die beiden mittleren Hauptrichtungen der Bimswürfe (Süd bis Südost und Ost bis Nordost) ungefähr mit der Richtung des Hauptstreichens des Rheinischen Schiefergebirges und mit der Richtung der Querklüftung zusammenfallen. In den Diskussionsbemerkungen wurde in Übereinstimmung mit J. FRECHEN (1953) Seite 64 insbesondere von F. KUTSCHER darauf hingewiesen, daß für die weitere Verbreitung des Bimses in östlicher und südlicher Richtung wohl auch der Wind als Träger der Bims-Staub-Wolken in Frage käme. Die Untersuchungen des Berichters (STÖHR 1963) haben neue Erkenntnisse über die Verbreitung des Bimses durch nachträgliche äolische, aquatische und solifluktive Umlagerungszelnen Nestern in Geländemulden in seiner primären Lagerung erhalten. Die Bodenbildung vollzog sich auf dem Bims und seinen Misch- und Umlagerungsprodukten. Die Bimsabkunft der Staublehme ist heute nur noch an ihren Leitmineralen im Körnerpräparat zu erkennen. Es wird noch lange dauern, bis alle primären und sekundären Bimsvorkommen erfaßt sind und man sich klare Vorstellungen über seine wirkliche Verbreitung machen kann. Der Schwerpunkt der Nachforschungen wird in die Waldgebiete zu verlegen sein, weil hier die aus dem Staublehm hervorgegangenen Lockerbraunerden am besten vor der Deflation des Windes und der Erosion des Wassers geschützt sind. Bodenkunde und Quartärforschung werden in gleichem Maße Nutzen aus diesen Forschungen ziehen. Beide Wissenschaften sollten aufs engste miteinander verknüpft sein.