Original paper

Probleme ultrabasischer Gesteine

Rost, F.

Kurzfassung

Aus den zahlreichen Problemen peridotitischer Ultrabasite heben sich in Zusammenhang mit dem Forschungsschwerpunkt "Unternehmen Erdmantel" von petrographischer Sicht aus besonders zwei hervor, die sich im Thema der genetischen Stellung der Ultrabasite in der Kruste zusammenfassen lassen. Als erstes ist der Mineralbestand dieser Gesteine zu diskutieren, um einen Vergleich mit den "möglichen" Gesteinen des oberen Mantels durchführen zu können. Das zweite Problem ist die Herkunft oder Platznahme der Ultrabasite in der Kruste. Zu beiden soll in diesem Referat ein kleiner Beitrag geliefert werden. 1. Mineralbestand und Faziesklassifikation der Ultrabasite Gegenüber der teilweise heute noch verbreiteten Ansicht, die peridotischen Ultrabasite mit magmatischen Intrusionen gleichzusetzen, setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, daß diese Gesteine - zunächst unabhängig vom Mechanismus ihrer Platznahme - in ihrer Mehrzahl zu den Metamorphiten zu rechnen sind. Neben einer Verformung zu "Olivinschiefern" (Grubenmann) lassen sie sich nach ihrem Mineralbestand auch faziell verschiedenen, nach Druck und Temperatur definierbaren Metamorphosebedingungen zuordnen, analog den Fazies basischer bis saurer Gesteine. Nach umfassenden Untersuchungen im europäischen Raum kann der Referent feststellen, daß bestimmte, meist accessorische Mineralien der Ultrabasite, in welchem vor allem die Elemente Al, Cr, Ca und zum Teil Fe konzentriert erscheinen, eine recht allgemeingültige Fazieseinteilung gestatten, die mit den Ergebnissen der experimentellen Petrologie über Bildungs- und Stabilitätsbereiche der an der Zusammensetzung der Ultrabasite beteiligten Mineralien übereinstimmt. Es lassen sich nach diesen Überlegungen folgende Fazies unterscheiden, die die genetische Stellung der Ultrabasite im Rahmen ihrer Nebengesteine besonders dann eindeutig klarzulegen vermag, wenn die Fazies der Ultrabasite mit der nach Druck und Temperatur vergleichbaren Fazies der Nebengesteine übereinstimmt und eine gemeinsame Metamorphose wahrscheinlich macht. a) In der magmatischen Fazies enthalten die Ultrabasite neben Olivin, Orthopyroxen und Al-reicherem Klinopyroxen als faziestypisches Mineral einen chromreichen Spinell. Dieser Fazies sind die Peridotite bzw. Lherzolithe der Pyrenäen, der südalpinen Ivreazone und die meist serpentinisierten Ultrabasite der alpinen Ophiolith-Gebiete zuzurechnen, die auch mit den Olivin-Bomben und Knollen des basaltischen Vulkanismus parallelisierbar sind.