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Stark vulkanisch beeinflußte marine Sedimentgesteine des Rheinischen Schiefergebirges und Mittelamerikas

Henningsen, D.

Kurzfassung

Im südlichen mittelamerikanischen Festland setzt sich die oberkretazische bis obermiozäne, insgesamt mehrere Tausend Meter mächtige und von Intrusivgesteinen durchsetzte Schichtfolge hauptsächlich aus arenitischen Sedimenten zusammen, daneben kommen Lutite, Konglomerate, kalkige und kieselige Sedimente vor. Die Arenite bestehen aus Fragmenten bzw. Geröllen von Andesiten, Basalten, vulkanischen Gläsern sowie Einzelplagioklasen und Schwermineralen der vulkanischen Provinz. Paläogeographische Untersuchungen machen wahrscheinlich, daß ehemals vor der pazifischen Küste Panamas und Costa Ricas gelegene Vulkane oder Vulkaninseln die Lieferanten für diese Sedimente waren. Im südöstlichen Rheinischen Schiefergebirge treten ähnliche Gesteine, allerdings in geringerem Ausmaß auf. Hier bestehen enge Beziehungen zum Keratophyr-Vulkanismus; arenitische Gesteine mit reichlich Keratophyr- oder Porphyrit-Fragmenten und Plagioklas-Einzelkristallen sind aus dem oberen Mitteldevon, der Adorf-Stufe und vereinzelt dem Unterkarbon bekannt. Dünnschliff-Bilder lassen in Zusammensetzung und Gefüge weitgehende Übereinstimmung mit den aus Mittelamerika beschriebenen Gesteinen erkennen. Der Typus der hier besprochenen Sedimente ist unter Geosynklinalablagerungen weltweit verbreitet, wird aber in petrographischen Lehrbüchern z. T. nicht oder nur ungenügend behandelt. In den USA wird neuerdings oft die Bezeichnung "Vulkaniklastit" benutzt. Mit Bezug auf die entsprechenden Gesteine im Rheinischen Schiefergebirge ist die klastische Entstehung auch verschiedentlich betont worden (z. B. HENTSCHEL 1958, QUADE 1963), trotzdem wurde meist die Bezeichnung "Tuff" an Stelle von "Tuffit" beibehalten. Es wird vorgeschlagen, in der Definition des letztgenannten Begriffes nach MÜGGE (1893) "tuffige" oder "tuffogene" Anteile in Komponenten "vulkanischer Herkunft" zu ändern. Innerhalb der Tuffite könnte eine Unterteilung nach der Korngröße erfolgen, wobei der Ausdruck "Sandstein", mit dem häufig die Vorstellung von einem beträchtlichen Quarz-Gehalt verbunden wird, nicht gebraucht werden sollte. Die mittelkörnigen Tuffite wären als "tuffitische Arenite" zu bezeichnen. Diese Bezeichnungsweise geht vom Stoffbestand und nicht von der Genese aus; sie läßt die Frage der authigenen oder allogenen bzw. klastischen Herkunft der vulkanischen Komponenten - die nach Auffassung des Autors nur in Einzelfällen sicher entschieden werden kann - zunächst offen. Damit werden möglicherweise falsche paläogeographische Schlußfolgerungen vermieden.