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Die wirtschaftliche Bedeutung der Kohle- und Erzlagerstätten im Montandreieck

Rolshoven, H.

Kurzfassung

Zusammenfassung Im Herzen Westeuropas entwickelte sich durch die enge Nachbarschaft von Kohle- und Eisenerzvorkommen ein bedeutender Wirtschaftsraum, dessen Struktur durch diese beiden Lagerstätten geformt wurde. Eine in der variszischen Innensenke verfolgbare Hochstruktur war sowohl für die Entstehung der Steinkohlen- als auch der Eisenerzlagerstätten von Bedeutung. Als Folge des Abtauchens der lothringischen Falten nach SW liegen die Steinkohlen im Minette-Erzgebiet für den Bergbau bereits zu tief, aber die durchschnittliche Entfernung der Eisenerz- von den Kohlegruben beträgt nur 70 km. In dem Dreieck Neunkirchen-Longwy-Nancy entwickelte sich auf der Basis dieser beiden Lagerstätten eine bedeutende Montanindustrie, für deren gedeihliche Entwicklung ein ungehinderter Verkehr über die Grenzen der drei Länder hinweg seit jeher die Voraussetzung bildet. Erst seit einem Jahrzehnt sind nun für eine solche Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg durch die europäischen Vertragswerke (EGKS, 1952; Saarvertrag, 1957; EWG, 1958) die Voraussetzungen wieder günstig. Während im Bereich der Hüttenindustrie durch die geschichtliche Entwicklung die Zusammenarbeit schon weit fortgeschritten ist, wurden auf dem Gebiet der Chemie und Energie die ersten Schritte erst in jüngster Zeit getan: in nächster Zeit werden eine Reihe karbo- und petrochemischer Werke entstehen; aber schon jetzt sind wir über die Umspannanlage Uchtelfangen in die 220-kV-Ringleitung eingeschaltet und werden bis Ende 1966 auch unmittelbar mit dem europäischen 380-kV-Netz verbunden sein. Die Vorräte an Kohle und Eisenerz als Grundlage der Montanindustrie reichen langfristig zu deren Versorgung. Bei günstigen Lagerstättenverhältnissen sind Rationalisierungsmaßnahmen erfolgversprechend. Der Steinkohlenbergbau im Montandreieck liegt in seiner Leistung deutlich über dem Schnitt der EGKS. Die Minette-Erzgruben unternehmen z. Z. ebenfalls große Anstrengungen, um gegenüber den höherprozentigen überseeischen Erzen wettbewerbsfähig zu bleiben. Voraussetzung für alle Rationalisierungsmaßnahmen sowohl im Eisenerzbergbau als auch im Steinkohlenbergbau ist eine gründliche Kenntnis der Form und des Inhalts der Lagerstätte; die praktische Geologie kann an der Lösung der dadurch gestellten Fragen entscheidend mitwirken.