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Probleme der Interglazial-Forschung in Nordwestdeutschland

Schneekloth, Heinrich; Sickenberg, Otto

Kurzfassung

Über die nordwestlich von Hannover gelegenen drenthezeitlichen Grundmoränengebiete, das Wietze- und das Allertal, erreicht man das am Rande der drenthezeitlichen Geest gegen das holozäne Allertal gelegene Verden. Im neu eingerichteten Heimatmuseum erläuterte O. SICKENBERG eine beachtenswerte Sammlung von Tierresten, die aus den später demonstrierten eemzeitlichen Süßwassermergeln im Raume Lehringen-Nedden-Averbergen stammen. Besonderes Interesse fanden die schönen Fundstücke von Loxodonta antiqua (Altelefant) und Cervus elaphus (Rothirsch) sowie das sorgsam gehütete Glanzstück der Sammlung: eine 2 1/2 Meter lange, gut erhaltene Stoßlanze aus Eibenholz, die das Auftreten paläolithischer Jäger in dieser Gegend bezeugt. Die Exkursion führte dann weiter in das Gebiet um Nedden-Averbergen. Dort liegen in einem von drenthezeitlichen Schmelzwässern geschaffenen Tal eine Reihe von Rinnenseen, die während des Eem-Interglazials vermoorten oder sich mit kalkreichen Sedimenten füllten und schließlich während der Weichseleiszeit von fluviatilen Sanden überdeckt wurden. Seit dem vorigen Jahrhundert schon werden jene Süßwassermergel in Dutzenden kleiner Gruben mehr oder weniger planvoll abgebaut. Während das nahegelegene (und bekanntere) Vorkommen von Lehringen überwiegend kalkreiche Sedimente aufweist, ist in einem anderen Aufschluß am Südrande des Vorkommens vor allem die humose Lithofazies dieser Interglazialbildung zu sehen. Die Diskussion am Aufschluß erwies, daß doch trotz grundsätzlich schon recht gut umrissener Vorstellungen noch viele bedeutsame Detailfragen über die Genese der Süßwassermergel in diesem Raum und ihrer eigentümlich reichen Fossilführung der Bearbeitung harren.