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Zur Keuper-Stratigraphie in Südostlippe (Trias, Nordwestdeutschland)

Duchrow, Harald

Kurzfassung

Zusammenfassung Es werden 1. einige methodische und terminologische Probleme der Keuperstratigraphie erörtert, und es wird 2. ein Überblick über die Feinstratigraphie des Keupers im südöstlichen Lipper Bergland (Weserbergland) gegeben. 1. Mit Hilfe lithologisch-feinstratigraphischer Methoden ist es möglich, hinreichend zuverlässige und detaillierte Schichtsynchronisierungen im Keuper durchzuführen und frühere stratigraphische Grenzen auf ihren Zeit- und Faziescharakter hin zu überprüfen. - Es werden totale, partielle und scheinbare Faziesgrenzen unterschieden. Viele Schichtbezeichnungen des Keupers wurden bisher gleichzeitig als fazielle, lokalstratigraphische und chronologische Begriffe verwendet; dies hat in der Vergangenheit zu terminologischen Schwierigkeiten und zu Fehleinstufungen geführt. Zwischen den genannten Einteilungsweisen sollte strenger als bisher unterschieden werden. Es wird vorgeschlagen, die früheren lokalstratigraphischen Schichtbezeichnungen, soweit sie nach Faziesmerkmalen benannt sind, durch neutrale Lokalnamen zu ersetzen und im Germanischen Keuper eine provinzial-chronologische Gliederung durchzuführen, deren Stufengrenzen in Richtprofilen festzulegen sind. Zahlreiche Schichtgruppen des lippischen Keupers, deren Namen aus weit entfernten Keupergebieten übernommen sind, weichen hinsichtlich ihrer stratigraphischen Abgrenzung offenbar erheblich von den gleichnamigen Schichten anderer Gebiete ab und sollten daher umbenannt werden; das gilt insbesondere für Hauptlettenkohlensandstein, Rote Wand und Steinmergelkeuper. 2. In Südostlippe konnte ein fast vollständiges feinstratigraphisches Profil durch den Keuper und seine Grenzschichten aufgenommen werden (vgl. Kurzprofil, S. 647-659). Die Untersuchungen, die zum Teil auch auf benachbarte Gebiete ausgedehnt wurden, ergaben folgendes: Die von H. KLEINSORGE und G. KÜHLE aus dem Muschelkalk/Keuper-Grenzbereich des Weserberglandes beschriebenen Fazieswanderungen und -verzahnungen ließen sich nicht bestätigen. Vielmehr erwiesen sich die vorwiegend tonig-mergeligen Abfolgen im obersten Muschelkalk und im Unterkeuper als relativ schichtungsstabil und konnten feinstratigraphisch weiter untergliedert werden (vgl. Abb. 1). Bei der Kartierung war eine Dreiteilung des Hauptlettenkohlensandsteins möglich. Im Unteren Mittelkeuper (km 1) wurde eine feinstratigraphische Neugliederung nach Richtprofilen durchgeführt (vgl. Abb. 2 und 3). Sechs stratigraphische Schichtgruppen und eine "Fazieseinheit" konnten neu auskartiert werden. Die "Oberen bunten Mergeln" KÜHL's sind als lokale "Buntfazies" der hangenden 15 Meter des km 1 aufzufassen, die anderenorts - in sonst gleicher feinstratigraphischer Ausbildung - einheitlich grün-grau gefärbt sind. Im Schilfsandstein (km 2) Südostlippes lassen sich zwei Faziestypen unterscheiden, deren Schüttungsrichtungen voneinander abweichen und die in Beziehung stehen zu der Färbung der darunter liegenden km 1-Mergel. In der Roten Wand (km 3) des Weserberglandes wurde ein steinmergelführender Leithorizont aufgefunden, der vermutlich der Lehrbergschicht anderer Keupergebiete entspricht. Der Steinmergelkeuper (km 4) des Gebietes gliedert sich in zwei größere, kartierbare Schichtgruppen, die feinstratigraphisch weiter unterteilt werden können. In der oberen (grauen) Serie herrscht rhythmische Sedimentation vor (vgl. Abb. 4). Im Rhätkeuper (ko) Südostlippes ließen sich sieben lokalstratigraphische Schichtglieder unterscheiden. Mit Hilfe mikropaläontologischer Untersuchungen im km 4 und ko des Gebietes konnte eine Verbindung zu der biostratigraphischen Oberkeupergliederung WILL's hergestellt werden (vgl. Tab. 1).