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Die limnischen und brackischen Mollusken des nordwestdeutschen Oberjura und ihre paläogeographische Bedeutung

Huckriede, Reinhold

Kurzfassung

Limnische und brackische Mollusken sind in den nordwestdeutschen Oberjura-Schichten recht verbreitet, häufig den marinen Faunen beigemengt. Von geringem stratigraphischen Wert, geben sie uns aber wertvolle Aufschlüsse über die ehemaligen Salinitätsverhältnisse, das Paläoklima, die Herkunft der Süßwasserzuflüsse und somit indirekt über die Lage der Küsten. Das Oxford ist noch rein marin; nur im Mittleren Korallenoolith von Hoheneggelsen fanden sich Exemplare von Myrene, einer brackischen Neomiodontiden-Gattung. In den höheren Humeralis-Schichten setzt zwar die Einschwemmung großer Mengen von Charophyten ein; das Becken bleibt aber vollmarin. Im unteren Kimmeridge (im Sinne der hannoverschen und preußischen Geologen) wird die Marinität in den südöstlichen und westlichen Gebieten des Niedersächsischen Beckens vielfach stark herabgesetzt, allerdings unter mannigfachen Schwankungen. In den Ästuar-Gebieten nördlich Osnabrück konnten zeitweise sogar Unionen, Margaritaniden und Neomiodontiden (u. a. Neomiodon) gedeihen, während im Harzvorland, im Gifthorner Trog bis nach Hannover und Celle Einschwemmung von limnischen (z. B. Valvata, bei den Planorbiden Anisopsis), brackischen (Myrene, Neomiodon) und Küsten-Schnecken (luftatmende Ellobiiden) häufig ist und der Salzgehalt bis auf brachyhaline, wenn nicht sogar pleiomesohaline Verhältnisse zurückging. Ziemlich vollmarin blieb aber das Gebiet des Ith, Weser- und östlichen Wiehengebirges, so daß sehr wohl eine Meeresverbindung nach Süddeutschland über die Hessische Straße bestanden haben könnte. Die Süßwasserzuflüsse kamen in der westlichen Teilbucht aus südwestlicher, im ostfälischen Gebiet aus südöstlicher Richtung.