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Die ingenieurgeologische Bewertung eines durch dynamische Belastungen periodisch erregten Untergrundes aus gleichkörnigen, feinkörnigen Erdarten

Keil, Karl

Kurzfassung

Bewertung heißt Maßstab anlegen. Ingenieurgeologische Bewertung bedeutet dann folgerichtig den Maßstab, den der Geologe für die Beurteilung des Untergrundes anwendet, um die Stabilitätsverhältnisse eines Baugrundes für die Belange einer Bauaufgabe aus den geologisch begründeten Zustandsverhältnissen zweckgebunden auszudeuten. Hier liefern ihm die geologischen Verhältnisse der Bodenzusammensetzung, der Lagerungsformen, der tektonischen Beanspruchungen, aber auch der oft tiefwirkenden Verwitterungsverhältnisse einen allgemein gültigen qualitativen Maßstab, um aus den gegebenen Verhältnissen auf weite Sicht das Verhalten eines Baugrundes in einengender Diagnose vom Standpunkt der Dauerfestigkeit oder der nur kurzfristig gegebenen Veränderlichfestigkeit eindeutig zu analysieren. Indem der Geologe die Stabilitätsgrundlage des Ingenieurs sich aneignet und diese in der qualitativen Ausdeutung, d. h. ohne bestimmte Kennziffern und Maßzahlen darstellt, trägt er im entscheidenden Maße zur Synthese zwischen Geologie und Bauwesen im Sinne der klassischen Ingenieurgeologie von TERZAGHI bei. Dabei ist die Güte des Baugrundes ein im gleichen Maß Ingenieurgeologie wie Bodenmechanik angehendes Tragfähigkeitsproblem, wobei die Grundlagen der Stabilität für die Setzungsfragen, für die Hang- und Grundbruchgefahren und, vor allem im Verkehrswesen, auch für die Frostveränderlichkeit veränderlichfesten Baugrundes aus Fels- und Lockergesteinen in der klimatisch beeinflußbaren, obersten Erdschicht unter Berücksichtigung der stets erschwerend wirkenden Verkehrsdynamik abzuklären sind. Hier leistet der Ingenieurgeologe im Sinne von TERZAGHI schlechthin verpflichtende und damit unabdingbare Vorarbeit, die der Ingenieur und Bodenmechaniker nicht zu leisten imstande ist. Insofern ist die neuzeitliche Ingenieurgeologie unerläßlich als Aufgabengebiet die Disziplin, um alle großen Bauwerke zweckmäßig und wirtschaftlich auszuführen. Der Geologe befaßt sich nicht mit dem meist hypothetischen isotropen Halbraum. Er weiß, daß der Baugrund in seiner vielfältigen Wechselgeschichte mit wiederholten endogenen und exogenen Veränderungen in weitaus den meisten Fällen heterogen ist und daher bereits in dieser Beschaffenheit eine spezielle ingenieurgeologische Bewertung für jedes Stück Erde erfordert.