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Grundwassererschließung im hessischen Anteil des Rheinischen Schiefergebirges in den letzten 15 Jahren

Stengel-Rutkowski, W.

Kurzfassung

In dem rd. 4891 km2 großen Anteil Hessens am Rheinischen Schiefergebirge ausschließlich dem Tertiär des Westerwaldanteils (172 km2) sind seit 1950 mehr als 500 Tiefbrunnen mit einer durchschnittlichen Tiefe von 70 m angelegt worden. Diese Wassererschließungsform hat inzwischen weitgehend die älteren Erschließungsformen durch Fassen von Quellen, Sickerfassungen, Flachstollen und -brunnen abgelöst oder zumindest ergänzt. Ein erstes Maximum an Brunnenbohrungen war 1954/55, ein weiteres 1963/64 zu verzeichnen. Bei den 1960 bis 1966 durchgeführten Bohrungen handelte es sich bei fast 40% um Anlage eines zweiten oder weiteren Tiefbrunnens. Der Schwerpunkt der Brunnenbohrungen liegt in den Kreisen Biedenkopf (rd. 70 Bohrungen), Dillkreis (rd. 75 Bohrungen), Limburg (rd. 40 Bohrungen), Oberlahnkreis (43 Bohrungen), Untertaunuskreis (mehr als 80 Bohrungen) und Wetzlar (90 Bohrungen). Die wesentlichste Bedeutung bei der Erschließung kommt dem Kluftgrundwasser auf offenen Klüften des Gebirges zu, weiterhin dem Karstgrundwasser aus dem mittel- und oberdevonischen Massenkalk insbesondere der Lahnmulde. Das im Hangschutt und in pleistozänen Schotterkörpern abfließende Porengrundwasser hat zweitrangige Bedeutung, spielt jedoch bei den meisten Tiefbrunnen mit, wie aus den hydrochemischen Daten der Brunnen hervorgeht. In nicht geringem Umfang ist schließlich auch Uferfiltrat im Spiel oder hat nach längerer Betriebszeit Bedeutung für den Brunnen erlangt.