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Torfe des rheinischen Tertiärs im Vergleich mit heutigen Bildungen an der amerikanischen Ostküste

Jux, Ulrich

Kurzfassung

Zusammenfassung Profile ostamerikanischer Küstenrandmoore verschiedener Klimazonen (Plum Island, Mass.; Timbalier Bay, La.; Tamiahua Lagune, V. C.) vermitteln in gewissem Sinne verwandte Bilder in den Sukzessionen ehemaliger Vegetations-Gemeinschaften. - Bei den Beispielen von Massachusetts und Veracruz führte der postglaziale Meeresspiegel-Anstieg zu Grundwasserstauungen in küstennahen Niederungen. Dies hatte das allmähliche Aufkommen von Bruchwäldern, Buschmooren, brackischen Marschen (mit ihren eigenen Torfbildnern) oder Mangrovengehölzen hinter Nehrungen zur Folge. Örtlich gerieten ihre Ablagerungen unter bleibende Meeresbedeckung. Die jeweiligen Pflanzenvereine kann man palynologisch auf die wesentlichen Moortypen beziehen, deren wechselnd starke Beeinflussung durch das nahe Meer (Grundwasserspiegel-Schwankungen) in gewissen Organismenresten bzw. deren Häufigkeit (z. B. Kiefernsporen, Chenopodiaceen, Hystrichosphären, Foraminiferen) deutlich angezeigt ist. Bei den landwärtigen Küstenverlagerungen überwanderten die verschiedenen Moorgürtel einander und hinterließen ziemlich gleichförmige Profilbilder. Die Schichtgrenzen sind dabei aber für stratigraphische Vergleiche ungeeignet ("zeitschräge Bildungen"). - Torfe aus Timbalier Bay (Delta-Rand-Depression des Mississippi) - die jetzt der Abtragung unterliegen - entstanden aus sumpfnahen Mischwäldern, Bruch- oder Buschmooren und brackischen Marschen. Die Phasen markieren die absinkenden "natural levees" mit den dazugehörigen "back swamps" von ehemaligen Mündungsarmen; wobei es erst im letzten Jahrhundert zur marinen Überflutung kam. Das Ausmaß von Setzungen kann dabei an der Feinschichtung (Bänderung: Zuwachsrate und Stürme) und nach absoluten Altersangaben abgeschätzt werden. Der Torfanfall ist in den verschiedenen Regionen unterschiedlich groß. Das liegt nicht so sehr an edaphischen Verhältnissen, sondern hängt wesentlich mit der klimagebundenen, regionalen Verteilung produktiver Torfbildner zusammen. In den Subtropen läßt sich dabei sogar eine Abhängigkeit vom Salinitätsgrad des Bodenwassers erkennen; denn im leicht brackigen Milieu wird vor allem organische Substanz eingeschichtet. Beim Vergleich der drei erwähnten Gebiete mit dem niederrheinischen Braunkohlenbecken kann man ähnliche Entstehungsbedingungen der Torfe wie in den "swamps" und "marshes" des Mississippi-Deltagebietes ableiten.