Original paper

Über Funktions-Wechsel des Rheinischen Lineamentes und die Entstehung des Oberrhein-Grabens

Knetsch, Georg

Kurzfassung

I. Zusammenfassung In der vorliegenden Arbeit wird der Oberrheingraben in seine ursprüngliche tektonische Paragenese gestellt. Er ist ein Teil jenes mitteleuropäischen Lineamentgitters, das wir als typisches Zerlegungsmuster der kontinentalen Kruste auch in anderen Kontinenten finden. Solche globalen oder planetarischen Schwächeflächen-Netze (HILGENBERG 1949) müssen in der Zeit quantitativ und qualitativ wechselnden Beanspruchungen gerecht werden. Bei einer Lageveränderung von Kontinenten oder ihren Teilen gegenüber der Rotationsachse des Erdkörpers können Richtungen von als D-Systeme (STILLE 1945) angelegten Scherflächen in eine meridionale (= Zerrungs-) Lage gegenüber der irdischen Hauptdeformations- (= Rotations-) Achse geraten. Das geschah mit dem Rheinischen Lineament im frühen Tertiär. Damals entstand ein Zerrungsgraben auf einer polyvalenten alten Scherfuge. Ob als Folge dieser Einregelung in ein neues Beanspruchungsfeld bleibt offen.