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Interpretation des Großreliefs der Erde durch subkrustale Strömungsfelder

Rücklin, Hans

Kurzfassung

Es läßt sich wohl kaum mehr bezweifeln, daß die gegenwärtige Lage der Kontinente zu einander das Ergebnis weiter Driftbewegungen im Lauf der Erdgeschichte ist. Für den einstigen unmittelbaren Zusammenhang der afrikanischen und der Südamerikanischen Scholle sind so viele Beweise vorhanden, daß er als feststehende Tatsache hingenommen werden muß. Der Versuch, die heutigen Lageverhältnisse durch eine Expansion der Erde zu erklären (P. JORDAN 1966) muß als gescheitert angesehen werden. Die Expansionstheorie liefert zwar einige plausible Erklärungen für die Verhältnisse im atlantischen Raum, gibt jedoch keine klaren Deutungen für die anderen ozeanischen Räume und versagt vor vielen anderen geotektonischen Problemen völlig. Wir sind daher zur Erklärung des gegenwärtigen Bildes mehr oder minder gezwungen, auf die WEGENERsche Vorstellung der Kontinentdrift (A. WEGENER 1921, 1929) zurückzugreifen. Wir gehen im Folgenden von der Grundvorstellung aus, daß die heutigen Kontinentschollen bis weit hinein ins Algonkium zwei zusammenhängende, um die Pole gelagerte Urkontinente bildeten (Abb. 4), Laurasia, bestehend aus dem eurasischen Block, Grönland und Nordamerika, und Gondwana, das die südamerikanische, afrikanische, vorderindische und australische Scholle und die Antarktis in sich vereinigte. Die Auflösung der Urkontinente dürfte sich im Jungalgonkium angebahnt haben. Vom Kambrium ab rückten die Teilschollen in von Orogenese zu Orogenese zunehmenden Driftschritten gegen ihre heutige Position vor.