Original paper

Karbonstratigraphie nach Bohrlochmessungen

Schuster, Alfred

Kurzfassung

Den bekannten Möglichkeiten, die als stratigraphische Leithorizonte im Oberkarbon wichtigen marinen Niveaus biologisch, geochemisch oder mineralogisch nachzuweisen, wird eine neue Methode hinzugefügt: die geophysikalische, d.h. die Auswertung der Bohrlochmessungen. Ziele dieser Auswertung sind das Erkennen mariner Sedimente und ihre stratigraphische Einstufung nach besonderer Diagramm-Charakteristik. Die Kriterien der marinen Niveaus sind niedriger elektrischer Widerstand, längere Schalllaufzeit und höhere Gammastrahlung, die in bestimmten Niveaus zu Anomalien ansteigt, Zwischen "hochmarin" und "limnisch" zeichnen sich Niveaus mit unterschiedlicher Salinität ab, deren Zahl größer ist als bisher angenommen wird. Auch im höheren Westfal und Stefan sind zahlreiche, zumeist in Bänder aufgespaltene, marine und brakkische Niveaus vorhanden. Als Ursache für die niedrigen elektrischen Widerstände im Bereich der marinen Niveaus wird die Salinität der Tonsteine angesehen. Die hier aufgezeigte geophysikalische Methode zur feinstratigraphischen Einstufung der Karbonschichten ist im gesamten Oberkarbon möglich und kann nicht nur im nordwestdeutschen Sedimentationsraum angewandt werden, sondern auch im niederländischen und mittelenglischen. Die Bohrlochmessungen geben das feinstratigraphische Gerüst zum Einhängen der in Kernen gefundenen Fauna und Flora und ermöglichen so exakte biostratigraphische Betrachtungen.

Abstract

The known biological, geochemical or mineralogical possibilities of proving marine bands - important as stratigraphical marker-bands in Upper-Carboniferous - are extended by a new method: the geophysical one, i.e. the interpretation of the well-logs. Aims of this interpretation are the finding of marine Sediments and their stratigraphical order according to particular log-characteristics. The criteria of the marine bands are low electrical resistivity, longer travel time of sound and higher radioactivity, which rises to anomalies in certain horizons. Marine bands of different salinity between "hochmarine" and "limnisch" are distinguished whose number is greater than was believed hitherto. Also in higher Westfalian and Stefanian there are numerous marine and brackish bands, mostly split up in sections. The salinity of the mudstones is regarded as the reason for the low electric resistivities in the marine bands. The geophysical method for the detailed stratigraphical determination of the carboniferous horizons, as mentioned above, is applicable throughout Upper-Carboniferous and can be used not only in the Sedimentation area of NW-Germany but also in the Netheriands and Middle-England. The well-logs provide the detailed stratigraphical frame for inserting the Fauna and Flora found in the cores and thus render possible exact biostratigraphical considerations.