Original paper

Der Tagebau Altenburg IV bei Borken - ein Schlüssel zum Verständnis der nordhessischen Tertiärbildungen

Ritzkowski, Siegfried

Kurzfassung

Bei Borken, nahe dem Kellerwald in der niederhessischen Tertiärsenke gelegen, wird seit einigen Jahrzehnten Braunkohle unter und über Tage gewonnen. Mit dem Tagebau Altenburg IV hat die Preuß. Elektrizitäts AG (PREAG) den größten künstlichen Aufschluß im nordhessischen Tertiär geschaffen. Bei einer Länge von 2 km, einer Breite von ca. 1,5 km und einem größten Höhenunterschied von etwa 100 m werden recht vollständig sämtliche im nördlichen Hessen verbreiteten Tertiärschichten vom Mitteleozän bis zum Oberoligozän aufgeschlossen. Das mitteleozäne Hauptflöz ist in einer Nord-Süd-Erstreckung von 12 km, in einer Ost-West-Erstreckung von ca. 3 km bauwürdig. Seine Mächtigkeit ist im W am größten, da 2 Oberflöze sich hier mit dem Hauptflöz zu einem einheitlichen Flöz zusammenschließen. Nach E nimmt die Mächtigkeit kontinuierlich ab. Der vertikale Aufbau des Flözes zeigt einen mehrfachen Wechsel von Seenablagerungen, Bildungen eines offenen Moores und des Bruchwaldes. Für eine stetige und ruhige Sedimentation in einem langsam einsinkenden Becken spricht die darüberliegende Kaolintonserie: die weißblaue Serie. Auf die Kaolintone der weißblauen Serie - flach wellenförmig eingetieft - folgen kohlige Sande, Schluffe und montmorillonitisch-illitische Tone, die das Unteroligozän repräsentieren. Es lassen sich zwei Ausbildungen unterscheiden: der untere Teil besteht aus kohligen Sanden, Schluffen und Tonen, der obere aus giftgrünen Tonen, in die weiße Kalke eingeschaltet sind. Die Gesamtmächtigkeit schwankt zwischen 18,5 m innerhalb des Tagebaues und 100 m unweit des östlichen Tagebaurandes. Die Serie führt die Melanientonfauna.