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Massenverlagerungen an der Röt-Muschelkalk-Grenze

Bernhard, H.

Kurzfassung

Am Ostabhang des Bärenbergs und des Großen Gudenbergs westlich Zierenberg (Kreis Wolfhaben, Blatt 4621 Wolfhagen) verläuft die Trasse der BAB Ruhrgebiet-Kassel im Grenzbereich Röt-Muschelkalk. Hier sind im Verlauf ingenieurgeologischer Untersuchungen eindeutige Anzeichen für Massenverlagerungen pleistozänen bis altholozänen Alters festgestellt worden; aus historischer Zeit sind merkbare Bewegungen nicht bekannt. Schön bei ersten Geländebegehungen wurden sehr unruhige Oberflächenformen am Ostabhang der aus nahezu söhlig liegenden Schichten des Röts und Unteren Muschelkalks sowie Tertiärsedimenten und Basalt aufgebauten o. g. Erhebungen festgestellt. Nähere Untersuchungen - so auch durch Anlage von Schürfgruben - zeigten, daß es sich dabei um Massenverlagerungen im Grenzbereich Röt-Muschelkalk handelt. So waren am Steilhang - gebildet von den Schichten des Unteren Muschelkalks (Wellenkalk) - hangparallele Welten und Stufen zu beobachten, die sichelförmig auslaufen und nicht den Schichtköpfen folgen. Die Höhen- und Längserstreckungen dieser Formen sind sehr unterschiedlich - sie sind nicht an die Schichten gebunden. Es handelt sich dabei um Anzeichen einer ehemaligen Bewegung des Hanges, wo bei geringer Transportentfernung und geringer Transportgeschwindigkeit Schichtpakete des Wellenkalks geringfügig in sich zerschert worden sind. Außerdem sind parallel zur Hangneigung Rinnen und Nischen angeordnet, deren zylindrische oder schaufelförmige Wandungen und der völlig ausgerundete hangseitige Abschluß eine Entstehung durch Erosion sehr zweifelhaft erscheinen lassen. Diese Hohlformen ziehen sich etwa 30 m bis 50 m am Hang hinauf. Es handelt sich hierbei um Ausbruch- oder Abrißnischen, aus denen Rutschmassen gleitend Verlagert worden sind. Die abgerutschten Kalk- und Mergelsteinmassen finden sich heute als mehrere Meter mächtiger Schutt unterhalb der Röt-Muschelkalk-Grenze. Der Schutt liegt als wirres Haufwerk von Kalk- und Mergelsteinen vor - eine Einregelung irgendwelcher Art war nicht festzustellen. Es kann daraus auf eine relativ hohe Transportgeschwindigkeit, d. h. auf eine schlagartige Verlagerung der Massen geschlossen werden.