Original paper

Das Tongriano im Nordapennin als Beispiel für das Flysch-Molasse Problem

Ibbeken, H.

Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft Band 119 Heft 1-4 (1970), p. 484 - 484

published: Apr 1, 1970
published online: Sep 1, 2017

DOI: 10.1127/zdgg/119/1970/484

BibTeX file

O

Open Access (paper can be downloaded for free)

Download paper for free

Kurzfassung

Ein Flysch ist durch seine räumliche und zeitliche Stellung in der Geosynklinale (intern, konkordant, prätektonisch), seine Sedimente (Tonschiefer, Sandsteine) und die Art ihrer Sedimentation (turbidity-currents) gekennzeichnet. Wesentlich ist nicht das Einzelkriterium, sondern die Summe aller Charakteristika (Tercier 1947, Kuenen 1958, Trompy 1960, Auboin 1965). Eine Molasse ist gleichermaßen komplex definiert: Die räumlich/zeitliche Stellung ist extern und spät- bis posttektonisch, die Sedimente sind im wesentlichen die gleichen wie beim Flysch, nur erheblich gröber und nicht durch turbidity-currents abgelagert, der Bildungsbereich ist flacher, oft brackisch bis kontinental; Schrägschichtung ist häufig (vgl. die oben genannten Autoren). Übergänge zwischen Flysch und Molasse sind bekannt, meist im Sinne einer lateralen oder/und vertikalen Entwicklung von Flysch zu Molasse. Das Tongriano, die "Molasse" des Nordapennin (O. Eozän-Oligozän) bildet im Westen, im ligurisch-piemontesischen Trog, die Basis der Poebenenfüllung und zeigt dort alle Kriterien einer echten Molasse. Im Osten (Innerer Apennin und Poebenensaum) liegt das Tongriano überwiegend in reiner Flyschfazies vor. Dabei beschränkt sich der Flyschcharakter nicht auf die lithologischen und texturellen Merkmale, sondern umfaßt auch die paläogeographischen Voraussetzungen: Das Tongriano im östlichen Nordapennin ist konkordant, intern und prätektonisch, es ist größtenteils sogal älter als der echte Apenninflysch (Macigno) und wurde in die Deckenüberschiebungen des Paroxysmus miteinbezogen. Im mittleren Verbreitungsbereich des Tongriano (Genua-Piacenza) gehen Tongriano-Flysch und Tongriano-Molasse nahezu lückenlos ineinander über. Dies spiegelt sich in einem Schichtbestand wider, der beide Elemente vereint und offensichtlich Produkt eines Ablagerungsraumes ist, der zur Ausbildung echter Molassekriterien zu tief, für die ungestörte Entfaltung von turbidity-currents aber noch zu flach war um dessen kontrastreiche Sedimente vor allem durch das Auftreten von unreifen, proximalen Turbiditen, Turbobrekzien, slumpings und Olisthostromen gekennzeichnet ist.

Keywords

GeosynklinaleFlyschTongrianoMolasseTurbiditenturbidity-currentsbrackischPoebeneNordapenninItalien