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Neue Ergebnisse über den Oberrheingrabenabbruch, festgestellt im Zusammenhang mit der Gründungsberatung für den Neubau des Landestheaters Darmstadt

Prinz, H.; Müller, K. H.

Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft Band 119 Heft 1-4 (1970), p. 587 - 587

published: Apr 1, 1970
published online: Sep 1, 2017

DOI: 10.1127/zdgg/119/1970/587

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Kurzfassung

Der Neubau des Landestheaters Darmstadt auf dem Gelände des ehemaligen Palaisgartens liegt im Bereich des Ausbiegens des östlichen Oberrheingrabenabbruchs aus der generellen N-S-Richtung nach NE. Bei der Gründungsberatung stand, außer dem Problem der ungleichen Auflagerbedingungen an der Verwerfung, die Frage im Vordergrund, ist an den Randverwerfungen des Oberrheingrabens heute noch mit Bewegungen zu rechnen und welches Ausmaß können sie annehmen. Feinnivellements des Hessischen Landesvermessungsamtes im Gebiet Darmstadt ergeben im Bereich der Randverwerfungen Absenkungen von 0,3 mm bis 0,4 mm pro Jahr, die zum Grabeninneren teileweise bis auf 1 mm pro Jahr zunehmen. Die Senkungen werden größtenteils auf die anhaltende tektonische Unruhe am Oberrheingraben zurückgerührt. Andere mögliche Ursachen, wie verstärkte Grundwasserentnahme, Verkehrserschütterungen u. ä. wurden diskutiert. Die bei den Feinnivellements festgestellten Absenkungen nehmen dabei im Laufe der Jahrzehnte Beträge an, die zu Schäden an Gebäuden führen müssen. Eine Spezialkartierung auf Risseschäden in Ortschaften an der Bergstraße ergab auffallende Häufungen von Gebäudeschäden. Besonders an zwei Beispielen (Starkenburgschule in Heppenheim, kath. Kirche in Jugenheim) kann ein Zusammenhang mit der tektonischen Unruhe an den Staffelbrüchen des Oberrheingrabens als erwiesen angesehen werden. Anhand der Risseschäden ist es möglich, bisher nicht erkannte Störungslinien auszuhalten. An Kreuzungen von Verwerfungen scheint die Schadensintensität besonders stark zu sein. Der Ausstrich der Randverwerfung auf dem Baufeld des Landestheaters Darmstadt ist durch einen Großschurf aufgeschlossen und ihr Verlauf bis 30 m Tiefe durch Bohrungen verfolgt worden. Sie streicht N 150° E und taucht unter Einschaltung schmaler Randstaffeln mit 45° bis 60° nach SW ab. Nach neueren Erkenntnissen über die Tektonik des Oberrheingrabens sind die mit 60° und flacher einfallenden Verwerfungen der Tertiärzeit während des Pleistozäns von steilstehenden Verwerfungsbahnen abgelöst worden. Rezente Bewegungen werden bevorzugt an diesen jungen Steilabschiebungen erfolgen. Zur Erkundung, ob der Steilabfall der Verwerfung noch unter dem Landestheater oder westlich davon liegt, sind fallgewichtsseismische Messungen durchgeführt worden. Zusammen mit zwei Kontrollbohrungen haben sie in 40 m bis 50 m Tiefe eine breite Randstaffel permischer Sedimentgesteine aufgezeigt, die nach Westen mindestens bis Mitte Marienplatz reicht. Die im Baufeld ausstreichende Verwerfung ist damit offensichtlich eine Querstörung zu der hier vorliegenden NE-Richtung. Auf dem Baufeld muß mit Bewegungen gerechnet werden, die bevorzugt über den staffelförmigen Abbrüchen zu erwarten und bei der Konstruktion des Gebäudes zu berücksichtigen sind. Der gesamte Gebäudekomplex wird daher durch Fugen in kleine Einzelbaukörper aufgelöst. Die östlich der Randverwerfung liegenden über die Verwerfung nach Westen auskragenden Geäudeteile werden über Pfähle auf dem abtauchenden Gebirgssockel gegründet. Die zu erwartenden Bewegungen sollen durch Setzungsmessungen und eine Horizontalmeßstrecke kontrolliert werden. Damit werden für den Nordabschnitt des Oberrheingrabens erstmalig engständige Messungen der Bewegungen an den östlichen Randverwerfungen durchgeführt.

Keywords

VerwerfungSteilabfallSedimentgesteinGebirgssockelTektonikGrundwasserDarmstadtOberrheingrabenGermany