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Deckenbau und Paläogeographie im Nordapennin

Reutter, K.-J.

Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft Band 119 Heft 1-4 (1970), p. 485 - 486

published: Apr 1, 1970
published online: Sep 1, 2017

DOI: 10.1127/zdgg/119/1970/485

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Kurzfassung

Im Nordapennin liegen Decken verschiedener Ausdehnung und Mächtigkeit mehrfach übereinandergestapelt. Das Autochthon (Toskaniden I, Karbon bis Oligozän) wird von einer Schichtfolge gleicher Fazies (Toskaniden II Trias bis U-Miozän) überlagert. Auf der SW-Seite des Nordapennins werden diese Gesteine ihrerseits von drei tektonischen Einheiten anderer Fazies, den Liguriden I-III, überfahren, deren Gesteine jeweils verschiedenes Alter aufweisen. Auf der NE-Seite des Apennins lassen sich mehrere tektonische Einheiten (Emilianiden I-V) erkennen, die teils auf den Toskaniden II, teils auf dem Autochthon der Umbro-Markiden im NE des Gebirges liegen. Sie ähneln in vielerlei Hinsicht den Liguriden, weisen diesen gegenüber aber auch lithologische Unterschiede auf. Paläogeographie und Deckenbau können zweifach interpretiert werden: 1. Die Toskaniden II wurden von SW auf die Toskaniden I überschoben, darüber legten sich, ebenfalls von SW als Gleitdecken kommend, die Liguriden I-III und die Emilianiden II-V, die hier als Teile der Liguriden II oder III anzusehen sind. Dabei ergeben sich folgende Probleme. Die Toskaniden II müssen die Toskaniden I überschoben haben, während gleichzeitig bei ununterbrochener Sedimentation auf ihnen die Liguriden und Emilianiden vorrückten. An der Stirn der Decke bildete sich eine tiefe Senke, in deren Grauwacken-Sedimentation sich Gleitmassen der Liguriden und Emilianiden einlagerten. Eine Ablagerung Molasse-artiger Gesteine, die nach einer Periode tektonischer Aktivität im O-Eozän auf den Emilianiden einsetzte, wurde trotz weiter Überschiebungsvorgänge des U-Miozäns nicht unterbrochen, sondern setzte sich stellenweise bis in das Obermiozän und Pleistozän fort. Die Überschiebungsweiten würden bei dieser Hypothese 120 km erreichen. 2. Das Toskanikum wäre primär im SW vom Ligurikum und im NE vom Emilianikum begrenzt gewesen. Beide hätten sich nach NW zu einem einzigen Eugeosynklinaltrog vereinigt, wobei das Toskanikum zwischen ihnen auskeilte. Die Liguriden wären von SW her auf das Gebiet des Toskanikums vorgedrungen, die Emilianiden von NE her. Da die Emilianiden im äußersten NE auf den Umbro-Markiden liegen, müßten sie zweiseitig unterschoben worden sein, wobei die heute sichtbaren Einheiten vom Untergrund abscherten. Während bei der ersten Hypothese die Schwierigkeiten in den vielfältigen und weiten Überschiebungsvorgängen liegen, sind sie bei der zweiten in den komplizierten paläogeographischen Anlagen zu sehen. Keine von beiden Vorstellungen kann heute als endgültig bewiesen gelten.

Keywords

ToskanidenLiguridenEmilianikumGleitdeckentektonischMolasseGrauwacken-SedimentationÜberschiebungNordapenninItalien