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Das Atlas-System in Nordafrika

Richter, Max

Kurzfassung

Zusammenfassung Es werden die einzelnen sehr verschieden gebauten Teile des Atlas-Systems besprochen. Der Hochatlas reicht nicht bis zum Atlantik, sondern taucht vorher ab. An seine Stelle tritt ein ungefaltetes mesozoisches Plateau mit vereinzelten Diapiren. Im westlichen Teil des Hochatlas zeigen Präkambrium aber auch Paläozoikum eine alte Schwelle, über der z. T. Paläozoikum im übrigen Mesozoikum jünger als Trias kaum oder gar nicht abgelagert wurden. Die Gesteine dieser alten Schwelle sind ebenso hoch herausgehoben worden wie die mesozoischen Gesteine im zentralen und östlichen Hochatlas. Im Bereich der Schwelle hängen die alten Gesteine unmittelbar mit denen des Antiatlas zusammen. Der Hochatlas geht nach NE in den Sahara-Atlas über, der mit NE-Streichen diagonal in die Zone der inneren Hochebene streicht und mit stark aufgelockerter Faltung am WE-streichenden Tellatlas ausläuft. Als völlig neue Bildung muß der Tunesische Atlas angesehen werden, der in Kulissenfaltung aus der Sahara-Tafel aufsteigt und sich nach NE von ihr löst. Seine Faltung ist rein diapirisch und schwenkt östlich von Gafsa nach N zusammen mit der Sahara-Tafel ab. Der Dj. Tebaga liegt mit seiner WE-Kette außerhalb des Tunesischen Atlas auf der Tafel. Der Mittelatlas zweigt nicht vom Hochatlas ab, sondern bleibt von ihm getrennt. Er ist nur teilweise leicht verfaltet, zeigt sonst aber in weiten Teilen einen Schollenbau und große Plateaus. Antiatlas, Hochatlas, Sahara-Atlas und Tunesischer Atlas sind mit ihren südlichen Ketten der aufgebogene Rand der Sahara-Tafel, die gelegentlich in das Atlas-System nach N eingreift. Störungen zwischen Gebirge und Tafel, sowie eine Saharamauer gibt es nur lokal. Die Faltung dieses Atlas-Systems ist eine Abscherungsfaltung über der Trias mit relativ geringen Mächtigkeiten über der Abscherungsfläche. Die Faltung ist sehr jung und auf dem Land erfolgt. Der Tellatlas als geosynklinales Gebirge hat trotz seines Deckenbaus ebenfalls ab und zu diapirische Strukturen. Es wird auf das Problem der Numidischen Sandsteine eingegangen, die nicht als Flysch, sondern als Molasse betrachtet werden. Sie transgredieren in Tunesien mit nach S abnehmender Mächtigkeit weit über den S-Rand des Tellatlas hinaus bis zum Auskeilen. Daher können sie nicht als eine von N gekommene numidische Decke betrachtet werden. Die großen Hochebenen zwischen dem Atlas-System im S und dem geosynklinalen Tellatlas werden von einzelnen Falten des Sahara-Atlas durchzogen, die Bergketten bilden. Bei Faltung gibt es Berge, bei waagerechter Lagerung gehobene Plateaus. Auf die beiden nach N gerichteten Scharungen des Tellbogens bei Melilla und zwischen Tunesien und Sizilien wird besonders hingewiesen.