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Pleistozän im Berliner Raum

Gocht, Werner

Kurzfassung

In Berlin und Umgebung wurden im Pleistozän Sedimente der Elster-, Saale- und Weichsel-Eiszeit sowie der Holstein- und Eem-Warmzeit in sehr unterschiedlicher Mächtigkeit und Verbreitung abgelagert. Bemerkenswert sind besonders die paludinenführenden Schichten aus dem Holstein-Interglazial, die hier aus relativ mächtigen und regional verbreiteten Süßwasserbildungen bestehen. Der Ablagerungsraum erstreckt sich südlich der Spree im Berliner Stadtgebiet bis nach Teltow und westlich davon bis in den Raum Potsdam. Aus der Beschaffenheit der Sedimente und der Faunenreste kann geschlossen werden, daß es sich um die Bildung eines ausgedehnten Flußsystems mit größeren seenartigen Erweiterungen, Altarmen und Talauen handelt. Die Gesamtmächtigkeit pleistozäner Ablagerungen schwankt zwischen wenigen Metern in den nördlichen Bezirken Berlins (Hermsdorf, Lübars) und stellenweise mehr als 150 m im Südwesten der Stadt. Vor nunmehr 92 Jahren hat auf einer Herbstsitzung der Deutschen Geologischen Gesellschaft in Berlin der Schwede OTTO TORELL die Inlandeis-Theorie auf den norddeutschen und nordrussischen Raum erweitert und damit der deutschen Quartärgeologie den entscheidenden Impuls gegeben. Anhand eindeutiger Gletscherschrammen auf Muschelkalk von Rüdersdorf bei Berlin konnte er seine Auffassungen überzeugend beweisen.