Original paper

Die Siegerländer Faltenvergitterung, Beispiel eines Scheinproblems?

Rothamel, Joachim

Kurzfassung

Eine Gitterfaltung des Siegerlandes (Faltung nach Faltung unter schiefem Winkel) wurde zuerst von A. DENCKMANN (1912, 1918) vermutet. H. QUIRING (1926) und neuerlich H. BREDDIN (1963) glauben die Annahme DENCKMANNS bewiesen zu haben. Gegen eine Gitterfaltung sprach sich zuerst W. HENKE (1927) aus. Es scheint selbstverständlich, daß ein Faltengitter durch eine Gitterfaltung entsteht. Indes, da sich so die Antwort auf die Frage nach der Entstehung eines Faltengitters von selbst ergibt, wird es durch ein Vorurteil erschwert, die genetischen Zusammenhänge zu analysieren. Es soll erläutert werden, daß die Vergitterung der tektonischen Elemente nicht durch eine Gitterfaltung im Sinne H. QUIRINGS und H. BREDDINS erklärt werden kann. Aus logischen Gründen (modus ponens) werden ausschließlich die Beobachtungen der genannten Befürworter einer Gitterfaltung benutzt, um deren These zu widerlegen.

Abstract

The pictural expression "folding lattice" suggests a genesis by "lattice folding". This explanation mechanism preanticipates the answer of the problem. The investigation of the observations and measurements of the advocates and only of the advocates of the "Siegerländer Lattice Folding" by means of a symmetrological analysis indicates, that the assumption of a folding after folding in different directions is not justified, though the map shows the picture of a lattice of folding lines, which are crossing each other under an angle of about 30°. The interpretation of the hol orientation of the geological planes of the folds follows the principle of P. CURIE, when "several phenomena of different nature are superposed in the same system, the dissymmetries are added". The monocline symmetry of the cleavaged folds contradicts two superposed folding Systems.