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Frühdiagenetische Vorgänge im Salvatore-Dolomit (Mitteltrias, Kanton Tessin, Schweiz)

Zorn, Helmut

Kurzfassung

Zusammenfassung In der Umgebung des Luganer Sees wurden etwa 400 Handstücke des Salvatore-Dolomits in Dünnschliffen untersucht. Verschiedene Umwandlungsprozesse, die sich bald nach der Ablagerung in der obersten Sedimentschicht abspielten, lassen sich nachweisen. Primitive Algen, welche im Sediment nahe der Oberfläche lebten, bewirkten eine Verkittung der Komponenten, indem sie mit ihrer schleimigen Oberfläche Partikel festhielten und die Kalkfällung induzierten. Diploporen-Dolomite, Biolithite und locker gepackte Arenite und die darin enthaltenen Kornaggregat-Klumpen wurden auf diese Weise zementiert. Die geofugale Internanlagerung wird ebenfalls auf sedimentbindende Algen zurückgeführt. Inkrustierende Algen wirkten auch korrodierend. Am häufigsten wurde dies an Diploporenskeletten beobachtet. Durch Anlagerung von Mikrit in den Zellen wurden Blaualgenkolonien in dichten, schlierigen oder krümeligen Mikrit (Pseudostromata) umgewandelt. Biogene und Detritus sind meist von Mikritrinden umhüllt, die durch bohrende Algen hervorgerufen wurden. Nach der Lösung von Aragonit bildeten die Mikrithüllen Hohlformen, in denen faseriger und drusiger Spatit abgeschieden wurde. Bei stärker mikritisierten Körnern sammelte sich der Mikrit am Boden als Rückstand an. Die physikochemische Zementierung setzte z. T. mit der Abscheidung von faserigem Spatit noch vor der mechanischen Internanlagerung ein. Mikrithüllen und Algenmikrit wurden selektiv dolomitisiert, ohne daß das Korn vergröbert wurde. Bei der spätdiagenetischen Dolomitisierung war dieser Mikrit resistent gegen Kornvergrößerung. Auf Grund der frühdiagenetischen Vorgänge und der mikrofaziellen Analyse wird angenommen, daß der Dolomit des Monte San Salvatore und die Grenzbitumenzone des Monte San Giorgio in einer seichten Lagune abgelagert wurden. Mangelnde Wasserzirkulation führte zur Aufheizung und Übersalzung, so daß eine biochemische und physikochemische Kalkabscheidung möglich wurde.

Abstract

In the surroundings of the Lake of Lugano about 400 handspecimens of the Salvatore-Dolomite have been collected and examined by thin sections. Various pre- and syncementational processes are described. Primitive algae lived in the sediment just below its surface. They caused cementation by their own mucilaginous surfaces and by inducing the precipitation of calciumcarbonate. This way dasycladacean dolomite, biolithites and loosely packed arenites with grapestone lumps have been cemented. Also the geofugal open-space filling is due to the sediment-binding algae. In addition the encrusting algae have a corrosive effect, especially to the skeletons of Dasycladaceans. Filling the cells with micrite, the colonies of bluegreen algae were transformed into dense, streak marked or grumous micrite (Pseudostromata). Skeletal and detrital grains are often enclosed by micrite envelopes caused by the boring algae. After the solution of the aragonite the micrite envelopes formed molds, into which fibrous and drusy sparite has been precipitated. Within highly micritised grains the micrite was accumulated as residue on the bottom. The physicochemical cementation by fibrous sparite started before the internal Sedimentation. The micrite envelopes and the algae micrite were selectively dolomitized without grain growth. During the late diagenetic dolomitization this micrite was resistent against grain growth. Following the analysis of the early diagenetic processes and the microfacies, it is assumed that the dolomite of Monte San Salvatore and the "Grenzbitumenzone" of Monte San Giorgio has been deposited in shallow water. A lacking water circulation led to high temperatures and to high salinities such that biochemical and physicochemical precipitation of carbonate became possible.