Original paper

Die fazielle Entwicklung im Altpaläozoikum und Unterkarbon der Karnischen Alpen

Schönlaub, Hans Peter

Kurzfassung

Der heutige Kenntnisstand des variszischen Stockwerks der Karnischen Alpen wird referiert. Danach läßt sich bereits in den als Caradoc und Ashgill datierten Schichten, die die ältesten fossilführenden Sedimente in den Karnischen Alpen repräsentieren, eine Differenzierung in unterschiedliche Ablagerungsräume erkennen. Nach einem Hiatus in der Sedimentation an der Grenze Ordovizium/Silur - als Ursache werden endogene bzw. exogene Ereignisse in diesem Zeitraum diskutiert - werden im Wenlock erneut ähnliche bathymetrische Verhältnisse erreicht wie im oberen Ordovizium. Als Folge des im oberen Silur bemerkbaren Umschlags in der Subsidenz, der nun bevorzugte Bedingungen in der Schalenfazies gegenüber der ab der Zone 18 bekannten Graptolithenfazies bringt, kommt es im Devon zu bedeutenden faziellen Gegensätzen. So stehen allein im Unterdevon über 500 m detritischen Kalken der Hochräume maximal 100 m mächtige Flaser- und Netzkalke bzw. Schiefer mit noch stärker reduzierten Mächtigkeiten im Becken gegenüber. Diese Ablagerungsräume - BANDEL (1970) rechnet nach aktualistischen Vergleichen mit Tiefen um die heutige Karbonatlöslichkeitsgrenze - sind ab dem Lochkovium bis in das Frasne durch turbiditartige Einschüttungen von Kalken des Flachwassers gekennzeichnet. Im hohen Frasne vollzieht sich erneut ein Milieuwechsel: Eine pelagische Kalkschlamm- und kieselig/pelitische Sedimentation macht jetzt der früher stark differenzierten Fazies Platz. Diese Entwicklung übersteigt die Devon/Karbon-Grenze; an ihr sind im Gegensatz zu älteren Ansichten keine merkbaren tektonischen Ereignisse abzulesen. Vermutlich an der Grenze Unterkarbon/Oberkarbon kommt es in den Karnischen Alpen zu einer krassen Umgestaltung des Environments und in der Folge zum Einsetzen des Hochwipfel-Flysch.

Abstract

The present knowledge of variscic sediments of the Carnic Alps is being discussed. Caradocian and Ashgillian strata, which represent the oldest known fossiliferous Sediments of the Carnic Alps, were already deposited in different environments. After a Sedimentation gap at the boundary-region Ordovician/Silurian - endogenic or exogenic causes are under discussion - the Wenlockian bathymetrical conditions are similar to the Upper Ordovician. With the Upper Silurian change in subsidence the shelly facies begins to dominate over the graptolitic facies, known from zone 18. As a result of this change the Devonian Sediments belong to considerably different facies, e.g. the Lower Devonian with more than 500 m of detrital limestone in the shallow water environment in contrast with a maximum of 100 m of "Flaserkalk" and "Netzkalk" and shales with even more reduced thickness in the basin facies. The Sedimentation in this environment - in depths near the CCD (carbonate compensation depth) of recent seas (after BANDEL 1970) - is characterized from Lochkovian to Frasnian by the turbidity current-like influx of shallow water limestones. In the Upper Frasnian another change in Sedimentation brings pelagic carbonate mud and siliceous-pelitic deposits. This facies passes over the boundary Devonian/Carboniferous. Contrary to former belief the boundary itself shows no noticeable indications of tectonic events. Beginning with the Lower/Upper Carboniferous-boundary a significant change in the environment and in the consequence the deposition of the "Hochwipfel-Flysch" takes place in the Carnic Alps.

Keywords

OrdoviziumSilurDevonLithofaziesGeosynklinalsedimentationvarist. Tektonik Kärnten-Burgenland (Karnische Alpen)