Original paper

Veränderungen der Bauwürdigkeitsgrenze in Zinnlagerstätten

[Variations of the cutoff-grade in tin deposits]

Gocht, Werner

Kurzfassung

In einer Vielzahl der bekannten Erzlagerstätten-Provinzen nehmen die durchschnittlichen Metallgehalte im Roherz ständig ab. Dies trifft auch auf die Zinnlagerstätten zu, wobei die im Abbau befindlichen primären Vorkommen gegenwärtig nur noch zwischen 0,5 und 1% Sn (1932: 2-4%; 1952: 1-2%) und die Seifen zwischen 0,01 und 0,03% Sn (1932: 0,02-0,05%; 1952: 0,02-0,04%) im Haufwerk auf weisen. Als Ursache für die rückläufige Qualität der Erze wird im allgemeinen eine naturbedingte Verarmung durch den fortschreitenden Abbau nutzbarer Metall-Konzentrationen in der Erdkruste angesehen. Eine Untersuchung in mehreren Zinnbergbau-Distrikten (Bolivien, Nigeria, Malaysia, Thailand) ergab darüber hinaus eine Beziehung zwischen den Veränderungen der Bauwürdigkeitsgrenze und der Abnahme der Durchschnittsgehalte im Roherz. Von den zahlreichen Bestimmungsfaktoren der Bauwürdigkeitsgrenze sind das Ausbringen in den Aufbereitungsanlagen, die Produktionskosten und der Marktpreis die wichtigsten. In den 60er Jahren stieg der Zinnpreis, reguliert durch ein Internationales Rohstoffabkommen, fast um das Doppelte, was entscheidend zur Verschiebung der Bauwürdigkeitsgrenze nach unten beitrug. Dadurch konnten in vielen Zinn-Lagerstätten ärmere Erze in die abbauwürdigen Vorräte einbezogen werden, so daß dort die durchschnittlichen Roherz-Gehalte auch aus diesem Grunde abnahmen. Es läßt sich außerdem zeigen, wie die Einführung des technischen Fortschrittes ähnliche Auswirkungen haben kann. In den großen Zinnbergbauländern der Dritten Welt werden Investitionen jedoch durch den Kapitalmangel behindert. Eine wiederholte Überprüfung der Bauwürdigkeitsgrenze ist sinnvoll, weil sie zur Revision der Vorratsberechnungen führen kann und somit die Gefahr des Raubbaus verringert. - Zur Erleichterung der Ermittlung von Bauwürdigkeitsgrenzen in Zinn-Lagerstätten wurden spezielle Nomogramme konstruiert. Als Indikatoren für Veränderungen der Bauwürdigkeitsgrenze können einige Koeffizienten dienen, beispielsweise der Quotient aus Bauwürdigkeitsgrenze und Durchschnittsgehalt ("Betriebserfolg-Koeffizient"), der Hinweise auf die Wirtschaftlichkeit des Bergbaubetriebes geben kann, oder der Quotient aus Bauwürdigkeitsgrenze und Grenzgehalt der Vererzung ("Erzverteilungskoeffizient"), der bei den Vorratsberechnungen berücksichtigt werden sollte.

Abstract

In many ore-mining regions the average metal content of the crude ore being exploited is decreasing constantly. This also applies to tin deposits; the primary deposits currently in production show only between 0,5-1% Sn (1932: 2-4%; 1952: 1-2%) and the alluvials between 0,01-0,03% Sn (1932: 0,02-0,05%; 1952: 0,02-0,04%) of the crude ore. The cause of the diminishment in the quality of ore presently being mined is assumed to be the exhaustion of the more profitable concentrations of metals in the earth's crust. A study of several tin-mining regions (Bolivia, Nigeria, Malaysia, Thailand) shows a relationship between variations of the cutoff-grade and the average contents of the crude ore. Of the numerous factors which determine the cutoff-grade the most important are the rate of recovery in the dressing plants, production costs, and the market price. In the nineteen-sixties the price of tin as regulated by an International Tin Agreement almost doubled, which contributes to the downwards revision of the cutoff-grade. Poorer ores were consequently included in the calculation of ore reserves of many tin deposits and the average mineral contents of crude ore therefore decreased. It can also be shown that introduction of the technical improvements can have similar effects. However, in the big tin-producing countries of the Third World, investments in technical improvements are handicapped by a lack of capital. A repeated examination of the cutoff-grade is significant because this is necessary for a revision of calculation of ore reserves and consequently for the prevention of exhaustion. In order to facilitate the study of the cutoff-grade in tin deposits special nomograms were constructed. Several coefficients can serve as indicators for variations of cutoff-grade, for example the quotient of cutoff-grade and average value ("coefficient of operation-success") which indicates the profitability of the mine, or the quotient of cutoff-grade and the limit-content of mineralisation ("coefficient of ore-distribution") which should be considered in the calculation of reserves.

Keywords

Sngradeevaluationexploitationcosts