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Die Bedeutung der Großtektonik für die Bewertung der Lagerstätte "Ruhrkarbon"

Ehrhardt, Wilhelm

Kurzfassung

Großtektonische Störungen sind überall im aufgeschlossenen Bereich des Ruhrkarbons nachgewiesen. Es sind Sprünge, Verschiebungen und Überschiebungen und deren Zwischenformen, auf die der Bergbau Rücksicht nehmen muß. Die Störungstektonik entstand aus Scherflächen, die zu Beginn und mit der Faltung entstanden und sie beeinflußt und stellenweise reduziert haben. Dabei wurden die gebirgsbildenden Kräfte an den Scherflächen, zu denen wir auch die Schichtflächen zählen müssen, in eine Tangential- und Normalkomponente aufgegliedert. Die Tangentialkomponente hatte nach oben hin weniger Widerstand zu überwinden als in andere Richtungen. Die Reduzierung der Faltungsintensität erfolgte in diesem Zusammenhang vorrangig in Bereichen oberhalb von großtektonischen Störungen. Ferner hatte die Streichrichtung der tektonischen Störungen eine Bedeutung für die Reduzierung der Faltungskräfte. Da der Schub aus dem Süden kam, haben Schollen mit abgelenktem Faltungsschub bessere Voraussetzungen für den Abbau als Schollen, in denen der Faltungsschub voll zur Wirkung kommen konnte. Wesentlich ist das Auslaufen von großtektonischen Störungen, weil damit oft eine stärkere Zergliederung des Gebirges verbunden ist. Ferner sind streichende bzw. bankrechte Abstände zwischen und zu den Störungen zu beachten. Es wurden Wertziffern ermittelt, die den Gesamtzusammenhang der gebirgsbildenden Kräfte unter Berücksichtigung der großtektonischen Scherflächen und des Einfallens wiedergeben. Damit ist eine Voraussetzung geschaffen, Lagerstättenbereiche mit Hilfe von tektonischen Kennziffern, die eine relative Aussagekraft haben, wirtschaftlich in bezug auf die Tektonik zu bewerten.