Original paper

Laudatio auf HANS STILLE zur Wiederkehr seines 100. Geburtstages

Pilger, Andreas

Kurzfassung

Vor 10 Jahren, am 8. Oktober 1966, waren engere Freunde und Schüler von HANS STILLE zur Feier seines 90. Geburtstages mit ihm persönlich in Hannover zusammen. Die immer noch vorhandene Klarheit des Geistes in dem schon stark gealterten Körper, der persönliche Kontakt zu ihm und die Gespräche mit ihm sind uns allen, die wir an dieser Feierstunde teilgenommen haben, zu einem unvergeßlichen Erlebnis geworden. Kurze Zeit später überholte die zunehmende Schwäche des Körpers die geistige Regsamkeit. Am 26. Dezember des gleichen Jahres, 1966, verließ uns HANS STILLE für immer. 10 Jahre früher, also 1956, erlebten wir HANS STILLE in völlig geistiger und körperlicher Frische bei einem Festakt der Deutschen Geologischen Gesellschaft zu seinem 80. Geburtstag. BENTZ und MARTINI hielten Ansprachen, Glückwünsche wurden ausgesprochen, und LOTZE überreichte im Auftrage der Deutschen Geologischen Gesellschaft, der Geologischen Vereinigung und der Paläontologischen Gesellschaft den Festband "Geotektonisches Symposium". Dann sprach STILLE selber. Er dankte allen Rednern, und wir waren beeindruckt von der ebenso souveränen wie freundschaftlichen Art der Redeweise des 80jährigen. Im Laufe seiner Ansprache kam STILLE auf seinen Lehrer in Göttingen, ADOLF VON KOENEN, zu sprechen und hob die straffe paläontologische und stratigraphische Schulung hervor, die er dort bei ihm empfangen hatte und die für ihn stets die Grundlage einer exakten Chronologie der geologischen, besonders auch tektonischen Ereignisse im Laufe der Erdgeschichte gewesen sei. Bei diesen Worten treffen wir auf die erste für STILLE charakteristische Arbeitsweise. Der Geologe STILLE, der durch seine globalen tektonischen Arbeiten Weltruhm erlangte, fußte bei seinen Schlußfolgerungen auf der durch Leitversteinerungen gesicherten Feinstratigraphie und damit verbunden auf einer exakten geologischen Kartierung. Und was STILLE, der hervorragende Pädagoge und Hochschullehrer weiter betonte, war, daß er selber stets bemüht gewesen sei, diese Arbeitsweise nun wieder an seine Schüler weiterzugeben. Die Doktorarbeit STILLES, bei VON KOENEN angefertigt, erschien im Jahre 1900. Die letzten Arbeiten STILLES kamen noch nach seinem 80. Geburtstag bis 1960 heraus. Das sind 60 Jahre wissenschaftliche Arbeit, in denen STILLE durch die Ausstrahlung seiner Forscherpersönlichkeit und fast 200 Veröffentlichungen oft umfangreicher Art das geologische Denken und Arbeiten seiner Zeit beeinflußt hat. Zu den letzten Schriften des über 80jährigen gehören die so außerordentlich wichtige und in glänzendem Stil geschriebene Untersuchung über "Die assyntische Tektonik im geologischen Erdbild", sowie Arbeiten über die Urkontinente und Urozeane.

Keywords

History (H. STILLE1876-1966)lifescientific researchtectonics