Original paper

Gondwana, Indik und Tethys in ihren zeitlich-tektonischen Zusammenhängen

[Gondwanaland, Indic, and Tethys, and their Temporal-Tectonic Relationships]

Pilger, Andreas; Rösler, Artur

Kurzfassung

Es kann als erwiesen gelten, daß die heute getrennten Teile Gondwanas ursprünglich in einem Großkontinent zusammenhingen, wobei zwischen ihnen möglicherweise schon frühzeitig Lockerungszonen bestanden. In den wesentlichen Zügen läßt sich das einstige Bild Gondwanas aufgrund morphologischer, geologischer und geophysikalischer Kriterien rekonstruieren. Allerdings gibt es noch immer deutliche Unterschiede in den Darstellungen der verschiedenen Autoren. Der östliche Teil Gondwanas begann an der Wende Jura/Kreide, vor 140-130 Mio. Jahren, sich etwa gleichzeitig an zwei Stellen aufzuspalten, zwischen Afrika und Indien-Antarktis sowie zwischen Indien und Australien-Antarktis, wobei zwei Meeresbereiche entstanden, die ersten Entwicklungsstufen des heutigen Indik. Dabei kann von einem Indischen Ozean erst ab dann gesprochen werden, wenn sich zwischen den auseinanderdriftenden Gondwana-Teilen ein basaltischer Ozeanboden durch Sea-Floor-Spreading zu bilden begonnen hat. Dementsprechend können ältere Grabensysteme und Störungszonen im kontinentalen Bereich Gondwanas nur als tektonische Vorzeichnungen und ältere marine Sedimente, z. B. des Lias und Dogger, nur als transgressive Vorstöße der Tethys auf dem kontinentalen Sockel Gondwanas angesehen werden. Etwa zu Beginn der Kreide begann die indische Platte ihre eigene Driftbewegung gegen Norden auf Asien zu, wobei sie die nördlich von ihr gelegene Tethys laufend einengte, zeitweilig mit einer Höchstgeschwindigkeit von 17-18 cm/Jahr. Offen bleibt das Problem, ob die Tethys kontinentalen oder ozeanischen Boden hatte. Eine ozeanische Kruste hatte sie sicher stellenweise im Ober-Jura und dann weithin in der höchsten Kreide. Beim Zusammenprall der indischen Platte mit der asiatischen wurde der Himalaya in mehreren Phasen aufgefaltet, wobei Reste der Tethys spätestens im Eozän verschwanden. Demgegenüber blieb zwischen Australien und Indonesien ein Teil der Tethys erhalten, der sich mit dem sich ausweitenden Indischen Ozean vereinigte. In Indonesien bestand seit dem Jura, vielleicht schon früher, eine Subduktionszone, die heute in der Tiefseerinne vor Sumatra und Java liegt. Die tektonische und magmatische Entwicklung des Indischen Ozeans und der ihn umrahmenden Kontinente seit dem Jura war nicht eine kontinuierlich gleichmäßige, vielmehr zeigt sie, bei allgemein wechselnder Intensität des geologischen Geschehens, episodisch wiederkehrende Höhepunkte (= Kulminationen) tektonischer und magmatischer Aktivität. Diese Kulminationen sind allgemein von geologisch kurzer Dauer. Sie können aber auch Zehner von Mio. Jahren andauern. Im großregionalen Vergleich erweist sich, daß diese Kulminationen in den verschiedenen Strukturen des hier betrachteten ozeanischen und kontinentalen Bereiches jeweils etwa zu gleicher Zeit eingetreten sind. Dies läßt auf einen gemeinsamen Motor im Innern der Erde, aber auch auf Anomalien der Konvektionsströme im tieferen Mantel schließen.

Abstract

The present-day separated continents of Gondwanaland were primarily joined in a single landmass. This fact can be proven by morphological, geological and geophysical arguments. About 140 to 130 m. y. ago, Gondwanaland began to break apart at two different locations. Africa was separated from India/Antarctica, while India was separated from Australia/Antarctica. With this events, the evolution of the Indian Ocean came into being, which subsequently expanded by sea floor spreading and drifting of the loosened continents. On the other hand, grabens and normal faults having occured in former times along the eastern part of Africa and the western part of Australia do not point to an oceanic activity, but to a preliminary continental faulting. Likewise, the marine Jurassic Sediments in East Africa and in western Australia must be related to a southward directed transgression of the Tethys above the continental basis of Gondwanaland but not to a beginning of the Indian Ocean. An oceanic floor or sea floor spreading in the Tethys region can be proven in Upper Jurassic time north off Australia and during the latest Cretaceous along (and below) the present Indus Suture Line. The fracturing of Gondwanaland and the opening of the Indian Ocean were connected with the continuously narrowing of the Tethys by the northward drifting Indian plate. Ar the Cretaceous-Tertiary boundary, India collided with Asia, and the Himalayas were folded. The tectonic and magmatic movements during the last 140 m. y. did not occur continuously. Sometimes, there were culminations of stronger tectonic and magmatic activities with intermittent longer periods of lesser intensity. There have been various culminations of tectonic and magmatic activities which affected contemporaneously the different areas and structures of the described region. These contemporaneities of the tectonic and magmatic culminations suggest a common origin of the movements which originated in the earth's interior. Probably, they also point to certain anomalies in the movements of the convection streams within the deeper mantle.

Keywords

GondwanaTethyssea (ancient Indian Ocean)developmentseafloor spreadingoceanic crustcontinental driftvelocityhorizontal compressionalpine orogeny Indian Ocean