Original paper

Süßwasser und Salzwasser in der Antarktis

[Fresh Water and Salt Water in the Antarctic]

Duphorn, Klaus

Kurzfassung

Die Süßwasserreserven auf der Erde belaufen sich auf rund 37 Mio. km3, mehr als genug, um den Bedarf der gesamten Menschheit zu decken. Nutzbar ist davon aber nur eine kleine Teilmenge. Mehr als Dreiviertel dieses Wassers, nämlich rund 30 Mio. km3, sind im Gletschereis der Erde gebunden. Und davon stecken 90 % (27-28 Mio. km3) im Antarktis-Eis, das eine Mächtigkeit von ca. 4,5 km erreicht, dessen Basisfläche bis ca. 2,5 km unter das Niveau des Meeresspiegels absinkt und dessen "Abfluß" in den Ozean in Form von Schelfeis und Eisbergen erfolgt. Z. Zt. wird geprüft, ob antarktische Eisberge ins Schlepptau genommen und als "schwimmende Trinkwasser-Lagerstätten" bis in den Nahen Osten transportiert werden können. Im Südsommer ist die Antarktis die größte Wüste der Welt. In den Trockentälern am Rande der Antarktis, wo die Temperaturen im Hochsommer häufig über 0°C ansteigen, im Auftauboden sogar bis auf + 30°C, gibt es eine ähnliche Morpho- und Hydrodynamik wie in der Sahara: mit vorherrschendem Aufstieg des kapillaren Bodenwassers infolge starker Verdunstung sowie mit physikalisch/chemischer Verwitterung, namentlich Salzsprengung und Tafonibildung. Perennierende Flüsse münden in abflußlosen Endseen, deren Wassertemperatur + 25°C und deren Salzgehalt mehr als das 15fache der Konzentration des Meerwassers erreicht.

Abstract

Global reserves of fresh water add up to 37 mio. km3. They exceed all conceivable needs of the human population. Much of the water is inaccessible or otherwise unavailable, however. More than threefourths (30 mio. km3) is bound up in glacier ice, particularly in the Antarctic ice, which represents 90 % of the total world ice and which reaches a maximum thickness of approximately 4,5 km and a maximum subsurface depth of approximately 2,5 km below sea level. Its "run off" terminates in shelf ice and icebergs. Saudi Arabia is going to examine the possibility of towing icebergs to the Persian Gulf from Antarctic waters. During the austral summers the Antarctic is the world's largest desert. In the marginal Dry Valleys the mid-summer temperatures often exceed 0°C. Maximum temperatures measured in soft rocks and soils close to the surface even reach + 30°C. High summer temperatures and strong evaporation initiate physical and chemical weathering processes like in the Sahara, salt cracking and tafoni caving included. Seasonal rivers terminate in saline lakes without any run off, reaching a temperature of + 25°C and more than 15 times the chlorinity of sea water.