Original paper

Altquartäre Sedimente im Deckgebirge des Salzstockes Gorleben

[The Early Quaternary Sediments above the Gorleben Salt Dome]

Müller, Helmut

Kurzfassung

Etwa 1500 Pollenproben aus den bis 90 m mächtigen prä-elsterzeitlichen quartären Schichten des Deckgebirges des Salzstockes Gorleben wurden vom Autor untersucht. Nach den Ergebnissen wurde eine Palynostratigraphie eines Großteils des bisher nur sehr unvollkommen bekannten "Cromer-Komplexes" ausgearbeitet. Dicht oberhalb der Menap-Sande konnten in mehreren Bohrungen die normalmagnetischen Sedimente der in den Niederlanden ins Jaramillo gestellten Bavel-Warmzeit und die reversmagnetischen Sedimente der Leerdam-Warmzeit festgestellt werden, die u. a. Pollen von Tsuga (Hemlocktanne), Eucommia und Pterocarya (Flügelnuß) enthalten. Darüber konnten unterhalb der Ablagerungen der noch im Liegenden der elster-zeitlichen Schichten einzustufenden Bilshausen (= Voigtstedt-) Warmzeit mindestens weitere 4 Thermomere nachgewiesen werden, in denen sich u. a. Eichen und Ulmen ausbreiteten. Außerdem wurden in diesem Intervall mehr als 30 kürzere, kühle Thermomere festgestellt. Ihre Vegetationsgeschichte ist durch die Abfolge von Gipfeln der Birken-, Kiefer- und Nichtbaumpollenkurven charakterisiert, ähnlich denen während Bölling/Alleröd/Jüngere Tundrenzeit des Weichsel-Spätglazials. Mit Ausnahme von zwei kleinen bavel-zeitlichen Einsturzgebieten über dem Gipshut wurden alle untersuchten prä-elsterzeitlichen Quartärsedimente in einer dem Gebiet des heutigen Steinhuder Meeres vergleichbaren, sehr flachen Wanne abgelagert. Daraus ist zu schließen, daß sich die Subrosion und Sedimentakkumulation während dieses Zeitraumes ständig die Waage hielten. Kleine Diskordanzen -- ähnlich wie in den holozänen Sedimenten des Steinhuder Meeres -- sind zahlreich, behindern jedoch die zwischen den warmzeitlichen Sedimenten verschiedener Bohrungen bis etwa 1 cm genaue Parallelisierung kaum. Die für den Post-Menap/Prä-Elster-Zeitraum errechnete Subrosionsrate lag im größten Teil des untersuchten Gebietes in der Größenordnung von 0,1 bis 0,2 mm/a.

Abstract

About 1500 borehole samples from the 90 m thick pre-Elsterian Pleistocene sediments above the Gorleben salt dome were studied to establish the palynostratigraphy of the main part of the still poorly known "Cromerian Complex". Just above the Menapian sand, the sediments of the Bavel interglacial, which in the Netherlands are placed within the magnetically normal Jaramillo event, as well as the magnetically reversed Leerdam interglacial, are present and contain pollen belonging to Tsuga, Eucommia and Pterocaraya. At least 4 other thermomere were found above these two interglacials and below the youngest Cromerian interglacial (Bilshausen = Voigtstedtian), in which oak and elm become established. Furthermore, more than 30 shorter, cooler thermomeres existed during this interval. They are characterized by sequences or peaks in the pollen curves of birch, pine, herbs and grasses, similar to those during the Bölling Alleröd and Younger Dryas times in the Late Weichelian. With the exception of two isolated sink holes above the gypsum cap rock, which developed during the early Bavelian, the investigated pre-Elsterian Pleistocene sediments were deposited in a very shallow lake, similar to the present-day Steinhuder Meet (NW Germany). Therefore subrosion (subsurface erosion of salt) and sedimentation kept pace with each other during this time interval. Small discordances -- similar to those in the Holocene sediments of the Steinhude Meer -- are frequent, but do not hamper the close correlation (to within 1 cm) between the different boreholes. The post-Menapian/pre-Elsterian subrosion rate in the top part of the Gorleben salt dom has been determined as about 0.1 to 0.2 mm/a.

Keywords

Salt domecover bedsLower Pleistocene (Pre-ElsterianBavel interglacialLeerdam interglacialMenapian)CromerianJaramillo eventpalynologypaleoclimatologysubrosion ratedepressionsedimentation of sandclaysiltpeat Northwest German Lo