Original paper

Die Rekonstruktion von Sedimentationsgeschichte und Paläomilieu des Oderhaffs unter Anwendung geochemischer Methoden

[The Oder Estuary (Oderhaff): Sedimentation history and paleoenvironments based on geochemical investigations.]

Müller, Anne

Kurzfassung

Im vorliegenden Artikel werden Sedimentationsgeschichte und Paläomilieu des Oderhaffs anhand von vier untersuchten Sedimentkernen diskutiert. Die untersuchten Sedimentkerne erfassen Zeiträume zwischen dem Alleröd und der Gegenwart. Die geringen Corg/S-Verhältnisse lassen einen zusätzlichen Eintrag von gelöstem Sulfat in das Sediment vermuten. Im Großen Haff kam es im Älteren und in der ersten Hälfte des Jüngeren Atlantikums (von etwa 7800--5500 BP) zu relativ hohen Corg/S-Verhältnissen, die Süßwasserbedingungen indizieren. In dieser Seephase lag eine erhöhte biologische Produktivität in den Gewässern vor. Die Corg/N-Verhältnisse zeigen in diesem Stadium recht hohe Werte > 12. Gegen Ende des limnischen Stadiums ist im Großen Haff ein erster Eutrophierungsschub erkennbar, der sich in den Corg/N-Verhältnissen und in den delta13C-Werten widerspiegelt. Es ist möglich, daß im Kleinen Haff um etwa 800 u.Z. ein wahrscheinlich eutrophierungsbedingter Wechsel von einem makrophyten- zu einem phytoplanktondominierten Gewässer erfolgte. Für das gesamte Oderhaff kann insbesondere mit Hilfe der stabilen Kohlenstoffverhältnisse (delta13C) ein deutliches terrestrisches Signal in den Sedimenten nachgewiesen werden, was auf den direkten Einfluß der Oder in das Gewässer zurückgeführt werden kann.

Abstract

Sedimentation history and paleoenvironment of the Oderhaff (meaning the lagoonal estuary of the Oder River) are discussed using the results from geochemical investigations on four sediment cores. These cores cover the time period from the Alleröd to the present. The low Corg/S ratios of the sediments suggest an additional input of dissolved sulfate into the sediments. High Corg/S ratios of the sediments were found in the eastern part of the Oderhaff between 7800 and 5500 BP and are considered to reflect fresh water conditions. There was an increased biological productivity in the Oderhaff during this lacustrine period. The Corg/N ratios show a broad range with mostly high values > 12 at his time. At the end of the lacustrine phase, the first signs of eutrophication are noticed in the eastern part of the estuary. In the western basin there was possibly a change from macrophytes to phytoplankton being dominant in the water body at approximately 1200 BP. For the Oderhaff, it can be inferred from stable carbon isotopes (delta13C) of the organic matter that there is a terrestrial signal in the sediments from the Oder River input.