Original paper

150 Jahre Deutsche Geologische Gesellschaft -- ein geschichtlicher Überblick

[150 years German Geological Society -- a historical survey.]

Lang, Hans Dietrich

Kurzfassung

Im Juli des Jahres 1848 veröffentlichte eine Gruppe von 13 Geologen, Mineralogen und Bergleuten, meist aus Berlin, einen Aufruf zur Gründung einer Deutschen Geologischen Gesellschaft. Ihr Ziel sollte es sein, dem Studium der Geologie allgemeinere Verbreitung und neuen Aufschwung zu geben und "die verstreut wirkenden Kräfte zu gemeinsamer Tätigkeit zu sammeln". Die Sprecher der Gruppe, ERNST BEYRICH und RUDOLF VON CARNALL, luden im November 1848 zu einer konstituierenden Versammlung vom 28.-30.12.1848 nach Berlin ein. Dort wurden die Gründung vollzogen, die Statuten beraten, die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift beschlossen und LEOPOLD VON BUCH zum Vorsitzenden der Gesellschaft gewählt. Bereits nach einem Jahr hatte sie schon 143 Mitglieder. In den Jahren von 1850 bis 1868 fanden ihre "Allgemeinen Versammlungen" (Hauptversammlungen) gemeinsam mit denen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte statt, was der weiteren Entwicklung der Gesellschaft nicht förderlich war. Ab 1869 hielt sie ihre "Allgemeinen Versammlungen" allein ab, und es setzte ein lebhafter Aufschwung ein, der bis zum 1. Weltkriege anhielt. 1873 wurde in Berlin die Preußische Geologische Landesanstalt gegründet. Von Anbeginn an war die Deutsche Geologische Gesellschaft ihr eng verbunden; diese Bindung hielt bis zum Ende des 2. Weltkrieges an. Der erste Weltkrieg brachte die Tätigkeit der Gesellschaft weitgehend zum Erliegen. Nach dessen Ende und nach der Inflation Anfang der 20er Jahre folgte eine Reihe sehr günstiger, erfolgreicher Jahre mit stetig steigenden Mitgliederzahlen, zeitweilig auf über 1200. Nach 1933 versuchte die damalige Reichsregierung, die Deutsche Geologische Gesellschaft auf ihre politischen Ziele zu verpflichten. Ab 1937 gehörte sie der beim Reichsforschungsrat eingerichteten Fachgliederung "Bodenkunde" an, gemeinsam mit Vereinigungen auf den Gebieten der Geophysik, Mineralogie und Bodenkunde. Im Frühjahr 1938 schloss sich die Geologische Gesellschaft Wien der Deutschen Geologischen Gesellschaft an. Im 2. Weltkrieg konnte die Gesellschaft bis etwa 1942 beschränkt tätig sein, musste dann aber ihre Arbeit einstellen. Unmittelbar nach dem Kriege war ihr wie allen anderen wissenschaftlichen Vereinigungen jede Tätigkeit untersagt. Da die Deutsche Geologische Gesellschaft ihren Sitz im östlichen, nach Kriegsende russisch besetzten Teil von Berlin hatte, war die Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit wegen der zunehmenden Abschottung der sowjetischen Besatzungszone in Ostdeutschland nicht möglich. Daher wurde sie im September 1947 in Hannover für die westlichen Besatzungszonen neu gegründet. Nach der Währungsreform und der Gründung der Bundesrepublik 1949 begann ein schneller wirtschaftlicher Aufstieg, an dem auch die Gesellschaft Anteil hatte. Die Zeitschrift konnte wieder regelmäßig erscheinen und die Zahl der Mitglieder stieg auf fast 1300 im Jahr 1970 an. Im Jahre 1969 wurden die Fachsektionen Hydrogeologie und Ingenieurgeologie gegründet, 1994 bis 1996 kamen die Fachsektionen Geoinformatik und Geotopschutz und die Gesellschaft für Umweltgeologie dazu. Die bisherigen monatlichen wissenschaftlichen Sitzungen in verschiedenen Städten wurden eingestellt. An ihre Stelle traten spezielle Fachtagungen, Symposien, Kolloquien usw. Die seit Gründung der Gesellschaft jährlich stattfindenden Hauptversammlungen jedoch wurden beibehalten. Zwischen den verschiedenen geowissenschaftlichen Vereinigungen entwickelten sich zunehmend offizielle Kontakte mit gemeinsamen Veranstaltungen; mehrfach wurden gemeinsame Hauptversammlungen durchgeführt. Ferner konnte die Gesellschaft zu einer Reihe wissenschaftlicher Institutionen des In- und Auslandes Vertreter entsenden. 1970 wurde, neben der Zeitschrift, ein allgemeines Mitteilungsblatt gegründet, die "Nachrichten Deutsche Geologische Gesellschaft", 1996 die "Schriftenreihe Deutsche Geologische Gesellschaft". Ab 1975 nahm die Zahl der Mitglieder sprunghaft zu. Um 1990 hatte die Gesellschaft zeitweilig über 3000 Mitglieder, darunter bis zu 500 Studenten. Etwa ab 1996 hat sich die Mitgliederzahl um 2 800 bis 2 900 eingependelt.

Abstract

This is a review of the history of the Deutsche Geologische Gesellschaft (German Geological Society), founded in the very last days of 1848 in Berlin. The constituent assembly had been initiated by a group of 13 geologists, mineralogists and miners, headed by ERNST BEYRICH and RUDOLF VON CARNALL, in July 1848. They felt the need to concentrate "the disseminated forces in common activity" to promote science and make earth sciences popular in the country. Finally, 106 persons joined them, and 49 of them participated in the foundation ceremony, when the statutes and articles were discussed and LEOPOLD VON BUCH accepted to be the first chairman. Moreover they decided to publish a journal: Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft. One year later the society had 143 members (cf. Fig. 4). In 1849 the first annual meeting was held in Regensburg/Bavaria, which is rather noteworthy as the society was clearly dominated by Prussians (cf. the historical background of those years). That year even saw the first volume of the journal published. Lateron the so called "General Assembly" was jointly held with the "Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte" on the occasion of her annual congress. That proved to be not very helpful for the society. Therefore, geologists undocked from physicists and physicians in 1868. In 1869 the DGG started her own series of annual congresses and, thus, initiated a remarkable progress for the next decades. In 1873 the Royal Prussian Geological Survey was founded. Right from the start there was a close cooperation and solidarity with the DGG. World War I stopped the activities of the society rather abruptly. And it took nearly a decade, to overcome this break. In the "swinging twenties", however, the society had about 1200 members, and it was dominant in the country's earth sciences although geophysical, mineralogical, palaeontological and even geological societies had been founded since. In 1933 the Nazi Party came to power. In the following years they tried to make the society pledge allegiance to their political goals. Finally, they incorporated her into the "soil group" of the Reich's Research Council. In 1938 the Geological Society of Vienna (Austria) joined the DGG. To a limited extent scientific activity was possible until 1942. Shortly after the end of World War II everything was prohibited. A revival, however, was impossible as the location was in the eastern part of Berlin, then occupied by the Russians. In 1947, therefore, the society was refounded in Hannover. Her recovery and upsurge paralleled the economic development of the Federal Republic of Germany. The traditional connections to the Geological Survey were retied, and for a long period the chairman of the DGG was a state geologist. That was even true for the editor in chief of the Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft. Meanwhile, however, presidents come from academia, industry and the individual state surveys. This process of uncoupling paralleled a gradual reorganisation of the society: In 1969 a hydrogeology section and an engineering geology section were formed preceeding those for geotope protection (1994) and geo-informatics (1996) as well as the Society for Environmental Geology (1996). A newsletter called "Nachrichten" was established in 1970, and a topical series (Schriftenreihe der Deutschen Geologischen Gesellschaft) added in 19%. As a result membership numbers increased up to more than 3100 individuals including about 500 students in 1990. Meanwhile there are about 2800--2900 members. Scientific activities changed as well: over the years the society has been starting cooperation with various scientific organisations, worldwide and at different official levels. She favoured joint interdisciplinary conferences and, sometimes, even joint general meetings with other geoscience societies. At the end of the century, finally, it was the German Geological Society to start a re-unification process to bring together what had been drifting apart in Germany over the decades: geology and mineralogy and palaeontology and geophysics and, may be, some more disciplines. It's time for an Earth Sciences (or Geoscience) era even in this country.