Original paper

Zur methodologischen Struktur des Aktualismusprinzips

[On the methodological structure of the principle of actualism.]

Kötter, Rudolf

Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft Band 152 Heft 1 (2001), p. 129 - 141

25 references

published: Sep 20, 2001

BibTeX file

ArtNo. ESP171015201001, Price: 29.00 €

Download preview PDF Buy as PDF

Kurzfassung

Im ersten Teil des Aufsatzes wird das Aktualismus-Prinzip in seinen verschiedenen Lehrbuch -Versionen vorgestellt, wobei gezeigt wird, dass die Schwierigkeiten im Gebrauch des Prinzips meist aus einer Verwechslung methodischer und empirischer Ansprüche herrühren. Nur eine strikt methodologische Interpretation wird den Intentionen von Hutton und Lyell gerecht, welche das Prinzip als eine der ersten vertreten haben. In ihren Augen gehörte es zu den wesentlichen Aufgaben des Prinzips, ad-hoc-Erklärungen, insbesondere solche vom Katastrophen-Typ, abzuwehren, welche nicht mit anderen Elementen unserer Erfahrung in Verbindung gebracht werden können und deshalb als wissenschaftlich unfruchtbar gelten müssen. Um jedoch wissenschaftliche Produktivität sicherzustellen, müssen geohistorische Erklärungen nicht notwendig im Horizont aktueller Ereignisse gegeben werden, es genügt, dass sie im Horizont unseres aktuellen Wissens erfolgen. Dies bedeutet, dass geohistorische Erklärungen nicht nur im Einklang mit den Naturgesetzen stehen, sondern auch einer generellen Konsistenzforderung genügen müssen, d. h. die zu geohistorische Erklärungen jeweils heranzuziehenden Gründe dürfen sich in ihrer Gesamtheit nicht widersprechen. Die vom Autor vorgeschlagene Neufassung des Aktualitätsprinzips berücksichtigt im übrigen, dass in der Geologie historische Erklärungen immer auf einem möglichst konkreten Darstellungsniveau gegeben werden müssen.

Abstract

In the first part of the article the principle of actualism is introduced in its different textbookversions. It is argued that most of the difficulties that arise in using the principle are due to a confusion of empirical and methodological claims. Only the methodological interpretation which will meet the intentions of its first propagators, Hutton and Lyell. In their opinion the principle’s main task is to avoid ad-hoc-explanations, especially such as those appealing to catastrophes, which cannot be connected with other elements of our experience and hence cannot be regarded as scientifically fruitful. However, to ensure scientific fruitfulness, geohistorical explanations do not necessarily have to be framed in a context of actual events. It is enough for them to be based on current knowledge, i. e. to be in accord with both the laws of nature and a general demand for consistency. On the new interpretation of the principle of actualism proposed by the author, historical explanations in geology also have to be formulated as concrete as possible. Keywords: actualism, theory, methods, interpretation

Keywords

actualismtheorymethodsinterpretation