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Über die Vermuthung, mit den Steinsalzablagerungen in Lothringen, wie bei der in Stassfurt, Kalisalze aufzufinden.

A. Serlo

Kurzfassung

Schon im Anfang dieses Jahrhunderts führte man Bergbau auf Steinsalz in Lothringen in der Nähe von Vic, der aber durch Ersaufen der Grubenbaue zum Erliegen kam. Seit 1826 hatte man einige Meilen von Vic entfernt bei Dieuze von Neuem Steinsalz aufgeschlossen, dasselbe in elf verschiedenen, von Mergeln getrennten Lagern angetroffen und bis zum vorigen Jahre Bergbau darauf geführt, der aber gleichfalls wegen Ersaufens eingestellt ist, so dass der vorhandene Schacht zur Zeit als Soolschacht dient. Seit einem Jahrzehnt sind nun aber in der Nähe von Nancy (Meurthe-Département) bedeutende Salzablagerungen bekannt geworden, die offenbar mit denen von Dieuze zusammenhängen, wenn auch die hier gefundenen elf Lager mit denen von Dieuze nicht vollständig identisch sind; es sind mehrfache Concessionen ertheilt, in denen theils durch Bohrlöcher, theils durch Schächte die Lagerstätten aufgeschlossen sind. Die wichtigste von allen ist die Concession von St. Nicolas-Varangéville, wo man die ganze Lagerstätte mit einem Schachte durchteuft hat und in dem elften Lager ausgedehnten Bau führt. Die ganze Ablagerung liegt im Muschelkalk, also in einem weit höherem geognostischen Horizont, wie die von Stassfurt, sie hat aber dadurch mit der letzteren grosse Aehnlichkeit, dass das Steinsalz mit harten Anhydritschnüren reichlich durchzogen ist, obwohl das Salz an und für sich chemisch reiner, reicher an Chlornatrium ist, als das zu Stassfurt. In den oberen Teufen des Schachtes hatte man rothe Salze angetroffen, die man als Kalisalze ansprechen zu müssen meinte. Herr Bergrath Bischof zu Stassfurt hat sich einer eingehenden Untersuchung der Salzlagerstätte überhaupt, besonders der rothen Salze unterzogen, er hat aber in den letzteren den Carnallit nicht auffinden können, sondern bezeichnet die rothen Salze als Polyhalit, zugleich aber leugnet er die Möglichkeit nicht, dass, wenn in Lothringen die Steinsalzablagerung noch in tieferem Niveau aufgefunden würde, sich wohl die Kalisalze noch in den oberen Regionen derselben würden entdecken lassen.