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Über eine Reihe Conchylien vor, welche von Herrn Berendt an verschiedenen Punkten in dem Diluvium des Weichselthales gesammelt worden sind

Beyrich, Heinrich Ernst

Kurzfassung

Herr Beyrich legte, hinweisend auf das durch Herrn F. Roemer bekannt gemachte Vorkommen von Buccinum reticulatum und Cardium edule in dem Diluvium bei Bromberg, eine Reihe Conchylien vor, welche von Herrn Berendt an verschiedenen Punkten in dem Diluvium des Weichselthales gesammelt worden sind, und unter welchen Buccinum, reticulatum, Cardium edule, Tellina baltica, ein Cerithium und Venusfragmente hervorzuheben sind. Das Vorkommen bei Bromberg ist von allen bis jetzt das westlichste. Der Redner wies darauf hin, dass diese Erfunde das Vorhandensein eines grossen Wasserbeckens mit Salzgehalt in der Diluvialzeit für die erwähnten Gegenden ausser Zweifel stellen, und dass es vor Allem darauf ankommen werde, das Verhältniss dieser marine Conchylien einschliessenden Diluvialablagerungen zu denen mit Süsswasserconchylien in der Umgegend von Berlin und Magdeburg festzustellen. Derselbe sprach ferner über eine Reihe von Versteinerungen, welche von den Herren Heine und Stein in dem Krebsbachthale bei Mägdesprung (an einem Punkte, etwa eine halbe Stunde aufwärts von Selkethale) aufgefunden worden sind und den Eindruck einer devonischen Fauna machen. Der Redner führte aus, dass sich in der bezeichneten Gegend des Harzes das Vorkommen von Graptolithen auf den Distrikt östlich von Harzgerode und auf einen Punkt im Selkethale ostwärts des Mägdesprunger Kalkzuges beschränke; dass ferner die Plattenschiefer (harten Grauwackenschiefer) der Gegend von Mägdesprung, welche durch ihre Pflanzenreste A. Roemer veranlassten, die Gesteine nordwestlich des Selkethales als den Culmschichten zugehörig zu deuten, als Unterlage der Kalkstein-führenden Grauwackenschiefer aufzufassen seien, welche durch die von Bischof in dem Kalkstein aufgefundenen Versteinerungen sich als silurisch erwiesen; und dass den letzteren diejenigen Schichten folgen, welche nach den vorgelegten Versteinerungen als devonisch anzusprechen seien, und welche mit den devonischen Ablagerungen von Elbingerode in Zusammenhang stehen könnten. Die vorgelegten Versteinerungen bestehen aus einem vollständigen Trilobiten der Gattung Pleuracanthus, welche bis jetzt niemals in silurischen, sondern nur in unter- und mitteldevonischen Schichten am Rhein und in den Sandsteinen vom Kahleberg im Harz aufgefunden wurde; einem Spirifer, dem Sp. speciosus ähnlich, welcher aus unter- und mitteldevonischen Schichten bekannt ist; ferner Orthis umbraculum, einer Leptaena und einem Chonetes. Dieser Altersbestimmung der in Rede stehenden Schichten würde nur die Angabe Von Bischof, dass im Krebsbachthale auch Graptolithen vorgekommen seien, entgegenstehen; doch glaubt der Redner bei der schlechten Erhaltung aller Versteinerungen annehmen zu können, dass vielleicht ein Tentaculit oder platt gedrückter Orthoceratit von Bischof als Graptolith gedeutet worden sei.