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Ueber die Entstehung der Seeerze.

Stapff, F. M.

Kurzfassung

Die Geologie der Gegenwart sucht durch Bezugnahme auf einfache Thatsachen, die in der Natur fortwährend beobachtet, und deren Ursachen und Wirkungsart durch angestellte Versuche erläutert werden können, die Erscheinungen der Bildung und Umbildung der Erdkruste zu erklären, welche lange vor dem Auftreten des Menschengeschlechts Statt fanden, und welche so grossartig sind, dass die ehemalige Geologie zu ihrer Deutung Prozesse anzunehmen genöthigt war, für welche unsere Zeit keine Analogie darbietet. In vielen Fällen ist jetzt die Zeit der einzige Factor, welchen der experimentirende Geologe in seine Versuche nicht einzuführen vermag. Da die ganze geschichtliche Zeit nur als ein Element der Zeit des Daseins der Erde betrachtet werden kann, so können wir gewöhnlich auch nur die Elemente der Veränderungen, die noch beständig auf der Erdkruste Statt finden, beobachten. Durch Zusammenlegung dieser kleinen Veränderungen treten doch als Summen Wirkungen hervor, die nur durch die kühnsten Hypothesen erklärt werden konnten, so lange man die für dergleichen Erfolge nöthigen Zeitlängen nicht berücksichtigte. Es giebt jedoch geologische Erscheinungen, deren Anfang und Ende der Mensch wahrnehmen kann; solche sind nicht nur die plötzlichen, lokalen, aber heftigen Kraftäusserungen der Vulkane, sondern auch diejenigen, die von dem auflösenden Vermögen des Wassertröpfchens, und von dem Vermögen des niedrigsten und kleinsten organischen Lebens, mineralische Stoffe auszufällen, abhängen. Unter vielen hierher gehörenden Beispielen ist die Bildung der Seeerze gewiss eines der bemerkenswertheren. Sie fährt ununterbrochen fort und so rasch, dass die erzführenden Seen fortwährend Ernten geben, weshalb auch Svedenborg von dem Seeerze mit Recht sagt: "- - - estque thesaurus hic perennis et inexhaustus". Sie giebt unmittelbare Erklärungen über das Entstehen vieler Eisenlagerstätten der vorgeschichtlichen Zeit und Fingerzeige selbst über die Bildungsart auch der ältesten Eisenerzlagerstätten. Da die Seeerze hinlänglich bekannt sein dürften, so werden wir hier nur diejenigen ihrer Eigenschaften betrachten, die vielleicht zur Erklärung ihrer Bildung beitragen können, ohne in eine umständliche Beschreibung einzugehen. Die Wiesen- und Sumpferze stehen offenbar mit den Seeerzen in einem so nahen Zusammenhang, dass man von den einen nicht sprechen kann, ohne der anderen mit zu gedenken.