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An den Vorstand der deutschen geologischen Gesellschaft in Berlin!

Meyn, Ludwig

Kurzfassung

Die Zeitungen der letzten Tage bringen die Nachricht, dass das Königlich Preussische Landes-Oeconomie-Collegium beschlossen hat, den Herrn Minister zu bitten, er möge für das Schwemmland der preussischen Monarchie geognostisch-petrographische Karten in Angriff nehmen lassen und die Aufnahme wo möglich im Maassstabe von 1:25000 anordnen; ferner den Herrn Minister zu bitten, er möge zur sofortigen Inangriffnahme die Summe von 8000 Thalern für die ersten Localaufnahmen jährlich bewilligen, um damit unter vier Dirigenten circa 8 bis 12 Aufnahmen schon 1866 beginnen zu lassen; schliesslich, in Erwägung, dass für die ersten Aufnahmen die Nähe von Universitäten und landwirthschaftlichen Akademien Berücksichtigung verdient, zu Dirigenten und zu Localitäten für den Anfang dem Herrn Minister vorzuschlagen: a) den Herrn v. Benningsen-Förder für die Umgegend von Berlin, b) den Dr. Berendt für die Umgegend von Königsberg in Preussen, c) den Professor Girard für die Umgegend von Greifswald, d) den Oberberghauptmann v. Decken für die Umgegend von Bonn, Die deutsche geologische Gesellschaft wird diese Bestrebungen des Landes-Oeconomie-Collegiums mit Freuden begrüssen und eine gewährende Entscheidung des Ministeriums mit doppelter Freude, da gerade die Förderung der Geognosie des Schwemmlandes eine Hauptaufgabe der Gegenwart ist, seitdem die Kenntniss der Flötzgebirge und des älteren Tertiärlandes einen so hohen Grad von Genauigkeit erlangt hat. - Da die innigere Verknüpfung der Geognosie mit der praktischen Bodenkunde zu den erwünschtesten Ereignissen gehört und nur auf diesem Wege erreicht werden kann, da die bewegenden Fragen der Geologie, welche das Alter des Menschengeschlechts und sein Hineinragen in die Zeit der diluvialen Bildungen betreffen, nur in diesem Gebiete ihrer Lösung harren, und da somit auch die historischen Wissenschaften ihre Anknüpfungspunkte an unsern Untersuchungen finden werden, so wird die geologische Gesellschaft in jener Bitte des Landes-Oeconomie-Collegiums wahrscheinlich ihren eigensten Wunsch ausgedrückt finden. Allein die deutsche geologische Gesellschaft, welche durch die freie Thätigkeit ihrer Mitglieder bereits seit ihrer Gründung zu der richtigen Würdigung des Schwemmlandes und zur Feststellung seiner Gliederung nicht unwesentliche Beiträge geliefert hat, dürfte in diesem besonderen Falle ausser der Freude über das Geschehene auch den Beruf zu einer Initiative haben und sich veranlasst sehen, den Bitten des Landes-Oeconomie-Collegiums eine weitere Bitte hinzuzufügen.