Obituary

Nekrolog zu Heinrich Lottner

A. Serlo

Kurzfassung

Nekrolog. Es ist für mich eine traurige Pflicht, die Gesellschaft an den herben Verlust zu erinnern, den dieselbe seit ihrem letzten Zusammensein durch den Tod ihres Archivars, des Königlichen Bergraths Heinrich Lottner erlitten hat. Gestatten Sie mir, Ihnen in wenigen Worten den Lebensgang eines Mannes vorzuführen, dessen rastlos schaffende Thätigkeit, dessen reicher Schatz von Kenntnissen und dessen Anspruchslosigkeit Jedermann Achtung abnöthigte, und den wir auch als herzlich ergebenen Freund betrauern. Heinrich Lottner wurde am 9. September 1828 in Berlin geboren. Nach kaum vollendetem siebenten Lebensjahre kam er in Folge des Todes seines Vaters in das Haus seines Onkels nach Düsseldorf, wo er die Realschule besuchte, die er im Jahre 1844 mit dem Zeugniss der Reife verliess. Er trat in das Bergfach und legte das Probejahr auf den Gruben in der Umgegend von Bochum ab. Nach sehr befriedigend bestandenem Tentamen bezog er im October 1845 die Universität in Berlin, wo er bis Ostern 1849 studirte. Nach vollendeter Universitätszeit kehrte er nach Westphalen zurück, besuchte die Berg- und Hüttenwerke des Bezirks und wurde zeitweise zur Aushilfe bei Revierbeamten beschäftigt. Im December 1853 legte er die Referendariatsprüfung mit sehr gutem Erfolge ab und wurde als Oberbergamts-Referendar sofort zur selbstständigen Vertretung mehrerer Revierbeamten verwendet, wobei er sich neben dem schon erlangten Rufe ausgezeichneten theoretischen Wissens auch die Anerkennung über seine praktische Befähigung in hohem Maasse erwarb. Die Erkenntniss, dass nur auf dem fruchtbaren Boden erlangter wissenschaftlicher Resultate ein gedeihlicher Fortschritt in der industriellen Entwickelung möglich sei, und das daraus folgende Streben nach möglichster Verbreitung und Nutzbarmachung der ersteren Hessen ihn in der Berufung zum Leiter und ersten Lehrer an der neugebildeten Bergschule zu Bochum im October 1854 ein weites Feld längst erwünschter Thätigkeit sich ihm öffnen sehen.