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Ueber die chemische Natur der Feldspathe, mit Rücksicht auf die neueren Vorstellungen in der Chemie.

Rammelsberg, C.

Kurzfassung

Im Verlaufe der letztverflossenen zwanzig Jahre hat sich in der Chemie eine Reform der Ansichten vorbereitet und entwickelt, welche in dem organischen Gebiet ihren Ausgang genommen hat. Anfangs von der Mehrzahl der älteren Chemiker, Berzelius an der Spitze, als phantastisch und extravagant betrachtet, haben diese Ansichten im Laufe der Zeit immer mehr Anhänger gewonnen; sie beherrschen heute die organische Chemie, in deren unglaublich erweitertem Gebiet sie als Führer dienen; denn ihnen ist es zuzuschreiben, dass das Chaos der Thatsachen klar und übersichtlich geworden ist. Wenn die Gesammtheit der theoretischen Anschauungen, welche das Wesen der modernen Chemie ausmachen, in dem leinen grossen Gebiet der Wissenschaft nach langem und heftigem Kampfe siegreich geblieben ist, und Niemand es heute unternehmen möchte, die organische Chemie im alten Gewande darzustellen, so muss in diesen theoretischen Formen ein Fortschritt enthalten sein; sie müssen nothwendig als ein solcher im Streben nach der Wahrheit betrachtet werden. Allein es bedarf keines Beweises, dass sie im ganzen Gebiet der Chemie zur Herrschaft gelangen, auch in dem unorganischen Theile eine Läuterung der bisherigen Ansichten herbeiführen müssen. Es ist zunächst ein charakteristischer und wesentlicher Grundzug der modernen Chemie, dass sie den Gasvolumverhältnissen bei der Verbindung der Körper vollständig Rechnung trägt. Gay-Lussac's schönes Gesetz, wonach die Verbindung stets nach einfachen Volumen erfolgt, und das von Wenzel und Richter begründete, nicht minder wichtige Gesetz der bestimmten Gewichtsverhältnisse (der chemischen Proportionen) sind anerkannt die Grundpfeiler aller theoretischen Vorstellungen in der Chemie.