Original paper

Ueber die Neocomschichten Russlands.

Eichwald, Ed. v.

Kurzfassung

Während das Studium der Paläontologie in Deutschland mit jedem Jahre mehr Anhänger gewinnt, scheint ihre Zahl in Russland immer geringer zu werden. Die Ursache mag wohl darin liegen, dass einige der bessern Paläontologen sich administrativen Aemtern zuwenden oder Landwirthe werden, andere die Naturwissenschaften nur nebenbei treiben, und dass Zoologie, Botanik und vergleichende Anatomie nicht mehr in dem Grade öffentlich gelehrt werden, als es früher der Fall war. Mit Pallas hatten die Naturwissenschaften in Russland festen Fuss gefasst. Seine vielen Reisen in zoologischer, botanischer und mineralogischer Hinsicht hatten das grosse Reich nach allen Richtungen hin kennen gelehrt und es in die Reihe wissenschaftlich untersuchter Staaten gestellt. Mit dem Anfange dieses Jahrhunderts erwarb sich nach Pallas Gotthelf Fischer von Waldheim die grössten Verdienste um die Paläontologie und die Naturwissenschaften überhaupt durch Stiftung der naturforschenden Gesellschaft in Moskau, die den Naturforschern Russlands Gelegenheit gab, ihre Untersuchungen der Oeffentlichkeit zu übergeben und sie zu einem Ganzen zu vereinigen. Die grosse Humanität Fischer's verschaffte ihm bald allgemeine Liebe und Achtung, und Alt und Jung bemühte sich, das von ihm ausgehende, wissenschaftliche Streben, Russland in naturwissenschaftlicher Hinsicht kennen zu lernen, immer mehr zu erweitern. Moskau blieb das punctum saliens der russischen Naturforschung, so lange es Fischer's Humanität belebte. Viele Schüler Fischer's, wie Rouillier, Fahrenkohl, Auerbach, Graf Czapski, Wossinnski und andere Gelehrte, wie Frears und Peter Jazykow, nahmen Theil an seinen paläontologischen Untersuchungen und bereisten zu verschiedenen Zeiten Moskau und die nahgelegenen Gouvernements. So entstand die Oryctographie von Moskau, die Fischer's Namen als Paläontologen auch in den fernsten Westen hinübertrug. Durch dies Werk ward bald darauf der ausgezeichnetste Paläontolog der damaligen Zeit, Leopold v. Buch in Berlin, angeregt, Russland in geologischer Hinsicht kennen zu lernen, und er wandte sich an das Berginstitut in St. Petersburg mit der Bitte, ihm Versteinerungen aus den verschiedensten Formationen Russlands zu übersenden. Ich erhielt, als Professor der Paläontologie am Berginstitut, den Auftrag, sie näher zu bestimmen, und so wurden sie Herrn v. Buch übersandt.