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Über Vorkommen hohler Geschiebe in Bayern

Beyrich, Heinrich Ernst

Kurzfassung

Herr Beyrich gab Mittheilung von einem Briefe des Herrn Gümbel, worin derselbe, veranlasst durch den Aufsatz des Herrn Laspeyres im 4. Hefte der Zeitschrift von 1865, über von ihm beobachtete Vorkommen hohler Geschiebe in Bayern berichtet. Die Ansicht des Herrn Gümbel, dass die breccienartigen Rauchwacken, welche in den Alpen über einer Gypsbildung an der Basis des Hauptdolomits verbreitet vorkommen, analogen Ursachen ihre Entstehung verdanken, wie die hohlen Geschiebe in den diluvialen und tertiären Conglomeraten, gab dem Vortragenden Veranlassung, seine Beobachtungen über das Vorkommen gleichartiger breccienartiger Rauchwacken in der Zechsteinformation am südlichen Harzrande mitzutheilen. In der Gegend von Nordhausen, Ellrich und Walkenried, wo ein regelmässig geschichteter, versteinerungsreicher Dolomit oder dolomitischer Kalkstein den dort nur theilweise in Gyps verwandelten Anhydritmassen aufliegt, zeigen sich die breccienartigen Rauchwacken überall an der Grenze des Anhydrits oder Gypses und des Dolomits. Eckige Bruchstücke des Dolomits sind durch ein kalkiges Bindemittel verbunden; sie lockern sich auf zu Dolomitsand, der nachher herausfällt, so dass die eigenthümlich luckigen Gesteine zurückbleiben, welche kein Dolomit sind. Augenscheinlich ist hier die Aufblähung des Gesteins bei der Veränderung des Anhydrits in Gyps zunächst die Ursache der Zertrümmerung der unmittelbar aufliegenden Dolomitschichten gewesen; der die später verschiedenden Dolomittrümmer cementirende Kalk ist, wie auch Herr Gümbel bei den ähnlichen Erscheinungen annimmt, ein Sintergebilde, für welches die das aufliegende dolomitische Gestein durchsickernden und theilweise auflösenden Gewässer das Material lieferten. Näher dem Harzrande finden sich Stellen, wo breccienartige Rauchwacken, ohne von Gypsen begleitet zu sein, unmittelbar auf Gliedern der unteren Zechsteinformation (Zechstein, Kupferschiefer, Weissliegendes) aufliegen; ihre Erscheinung an solchen Stellen kann überall als ein Beweis gelten, dass die auch hier ohne Zweifel früher vorhanden gewesenen Gypse und Anhydrite durch lange dauernde Erosionen vollständig verschwunden sind.