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Vorläufige Mittheilung über die typischen Verschiedenheiten im Bau der Vulkane und über deren Ursache.

Seebach, K. von

Kurzfassung

Die bisherige Eintheilung der Vulkane und vulkanischen Erscheinungen überhaupt, wie sie noch A. v. Humboldt im vierten Baude des Kosmos giebt, beruht auf der Hypothese der vulkanischen Erhebungen und der L. v. Buch'schen Erhebungskratere. Dass es aber dergleichen nicht giebt, haben schon früher Const. Prevost, Virlet, P. Scrope und Sir Charles Lyell, in Deutschland besonders Hoffmann gezeigt. Alle jüngeren Geologen, die sich mit dem Studium der Vulkane beschäftigt haben, scheinen diese Theorie jetzt vollkommen aufgegeben zu haben, Hartung, Hochstetter, Reiss, K. v. Fritsch und auch ich selbst haben nirgends Erhebungskratere auffinden können. Die letzte Stütze der Erhebungstheorie, die Kaymeni-Inseln im Golfe von Santorin, ist ebenfalls geschwunden, seitdem auch in ihnen bloss die Resultate massiger Lavaausbrüche erkannt worden sind. Dabei hat sich zugleich die v. Humbold'sche Definition für den Begriff Vulkan als zu eng erwiesen, indem hier keineswegs eine dauernde Verbindung zwischen dem Erdinneren und dem Luftkreise existirt. Dies Merkmal scheint in der That einer ganzen Kategorie von Vulkanen zu fehlen. Eine wirklich allseitig entsprechende Definition für den Begriff Vulkan können wir zur Stunde noch nicht geben, eben weil unsere Einsicht in das Wesen derselben noch nicht abgeschlossen ist. Die Schwierigkeit, einen Vulkan gegen den anderen abzugrenzen, ist besonders gross in den Phlegraeischen Feldern, auf den atlantischen Inseln, in gewissen Krater-Querreihen in Central-Amerika und Java und bei den Explosionskrateren; hier werden noch lange die Meinungen auseinandergehen, wie weit man den Begriff Vulkan ausdehnen solle. Am einfachsten und zweckdienlichsten erscheint es immer noch, als Vulkan jeden Berg zu bezeichnen, der aus Gesteinen besteht, die an Ort und Stelle aus feurigem Fluss erstarrt sind und der in seinen Structurverhältnissen durch radiale oder concentrische Anordnung der Massen sich auf eine mehr, oder minder vertikale Axe beziehen lässt.