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Geognostische Beobachtungen im Polnischen Mittelgebirge.

Roemer, Ferdinand

Kurzfassung

In demjenigen Theile des südlichen Polens, welcher im Süden und Osten durch die Weichsel, im Norden und Westen durch die Pilica begrenzt wird, erhebt sich ein bemerkenswerthes kleines Gebirge, welches ausser Zusammenhang ebenso mit den Karpathen, wie mit den anderen benachbarten Gebirgen sowohl nach seinem orographischen Verhalten, als auch nach seiner inneren geognostischen Zusammensetzung als eine durchaus selbstständige Erhebung sich darstellt. Der verdienstvolle Pusch hat, da es an einer gemeinsamen Benennung fehlte, für dasselbe den Namen Sandomirer oder Polnisches Mittelgebirge vorgeschlagen, und mit diesem ist es seitdem meistens bezeichnet worden. Passender würde sein, es das Kielcer Gebirge zu nennen; denn die Kreisstadt Kielce liegt ganz im Bereiche desselben, während Sandomir an der Weichsel schon ganz ausserhalb desselben gelegen ist und nur die äusserste Grenze seiner östlichen Ausläufer bezeichnet. Es besteht dieses kleine Gebirge aus einer Anzahl (5 bis 6) schmaler, zum Theil steil abfallender Bergrücken, welche durch breite, flache Thäler von einander getrennt werden und bei einer Richtung von Westnordwesten nach Ostsüdosten fast genau mit einander parallel laufen. Während die grösste Länge des Gebirges, wie sie durch die Lage der Städte Malagoszcz und Sandomir bezeichnet wird, gegen achtzehn deutsche Meilen beträgt, ist die Breite nur zwei bis drei Meilen; die grössten Höhen erreicht das Gebirge in dem nördlichsten der parallelen Bergrücken, der Lysagora (Kahler Berg). Oberhalb des Kloster Swienta Katharina beträgt die Erhebung dieses Rückens nach Pusch 1813 Fuss, und bei dem dem östlichen Ende des Rückens genäherten Kloster Swienty Krzyz (Heiliges Kreuz) erhebt er sich sogar zu 1908 Par. Fuss.