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Ueber die Bildung des unteren Oderthals.

Behm

Kurzfassung

Sämmtliche aus der norddeutschen Ebene der Nord- und Ostsee zuströmende Flüsse bilden ihre Betten in einem meistens lockeren, leicht zerstörbaren, namentlich unter der Einwirkung des Wassers sehr veränderlichen Boden, so dass ihre Ufer überall wenig Stabilität besitzen und fast alljährlich nicht unbedeutenden Veränderungen unterliegen. Diese Veränderungen verleihen den Gegenden einen eigenthümlichen Charakter, welcher sich ganz besonders an der Oder bemerkbar macht, so dass diese sehr wohl als Vorbild auch für die übrigen Flüsse angenommen werden kann. Oberhalb Frankfurt und durch ganz Schlesien hinauf bieten die Ufer in unwiderleglicher Weise und mit höchst geringfügigen Ausnahmen das Bild abgespülter, ausgewaschener, lockerer, von leicht veränderlichen Erdschichten gebildeter, flach gesenkter Hügelländer dar. Sie sind allgemein in sanft abfallenden, ungleichen Profilen ausgesäumt, und da sie überall aus den zugeführten Sanden der schlesischen Ebene bestehen, denen nur wenige feste oder Festigkeit gebende Materialien beigemengt sind, dieser Sand aber für sich allein keine Bindekraft besitzt, so werden sie von jedem Regen verändert, in die Niederungen geführt, von jedem Winde verwehet und sind kaum im Stande, sich in einer Böschung von 10 Graden gegen den Horizont zu tragen. Zwar treten an einzelnen Stellen etwas steilere Gehänge auf, aber dann ist das Erdreich bereits mit fremdem Materiale gemengt, wohin insbesondere diluvialer Lehm, diluvialer Thon oder auch in einzelnen Fällen Kalk und Kies gehören. Die natürliche Folge der grossen Veränderlichkeit des genannten Materials und seiner Transportabilität durch die Atmosphärilien ist es, dass das Flussbette selbst in jedem Augenblicke die frisch eingeschwemmten Bestandtheile der Ufer mit sich führt, ohne dass diese auch selbst hier eine Festigkeit gewinnen können, die etwa die Entstehung vegetabilischer Thätigkeit zu begünstigen vermöchte; denn wenn auch die Unfruchtbarkeit des Sandes an sich einer solchen sehr hinderlich ist, so unterliegt es doch keinem Zweifel, dass bei gewonnener Beständigkeit des Bodens durch die Einwirkung der Feuchtigkeit nach und nach Pflanzenwuchs entstehen müsste.